Aktuelles aus dem Hause BO

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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    42 Minuten ·

    Restkarten für Hannover, Leipzig, Hamburg und München

    Wir bieten all denen unter euch, die noch gerne nach Hannover, Leipzig, Hamburg oder München kommen möchten, eine letzte Gelegenheit. Beachtet bitte: Die Kontingente sind wieder jeweils sehr klein.

    Unter dem unten stehenden Link ist eine Kartenhinterlegung an der Abendkasse der jeweiligen Stadt möglich:

    http://www.eventim.de/tickets.html?affiliate=BOE

    Euer B.O. Team
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    10.12.2016 - Leipzig
    Onkel Kai
     
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    11 Minuten ·

    04.12.2016 – Zürich

    Abend für Abend, wenn die letzte Note von „Erinnerungen“ verklungen ist, findet man mich mit einem breiten Grinsen irgendwo auf den Rängen, zufrieden und demütig. Da stehen sie nun, die vier totgeglaubten (vielleicht auch gewünschten) Frankfurter, sich in den Armen liegend, als hätten es diese 9,5 Jahre niemals gegeben. Als wären sie niemals weg gewesen.

    Abend für Abend, wenn die erste Note von „Gott hat ein Problem“ sich durch die PA ihren Weg bahnt, wie eine musikalische Reanimation aus einem neuneinhalbjährigen Wachkoma, dann ähnelt sich das Bild reziprok in den Gesichtern der Band. Nie waren die Onkelz besser, nie waren sie mehr Einheit, nie war die Energie, die sie transportieren, größer.

    So auch in Zürich.

    Mit knapp 750 km von Wien nach Zürich, steht uns eine der weitesten Fahrten der Tour bevor. Unser U-Boot setzt gegen 12 Uhr mittags am Samstag in Wien ab und wir erreichen Zürich etwa kurz nach Mitternacht am Sonntag. Der Aufbau beginnt abermals um 3 Uhr und zum ersten Mal, nach Bremen, können wir das komplette Set der Bühne aufbauen. Es ist mir, auch nach 7 gesehenen Shows, noch immer ein Rätsel, wie dieses Ungetüm aus Stahlseilen, LED-Wänden, Boxen, Lichttechnik, Ketten und Traversen etc. an die Hallendecke kommt (dort hält) und vor allem, wer sich so etwas ausdenkt, plant und umsetzt. Es ist ja nicht so, dass wir in jeder Stadt einfach an die Halle fahren und unserer Bühne aufbauen. Nein, der Plan, wie die Bühne aussehen wird, wie sie aufgebaut wird, steht bereits Monate vorher fest und muss durch zahllose Abstimmungsrunden mit der Band, bevor der Statiker der Halle seinen Stempel setzt und damit grünes Licht für die Umsetzung gibt.

    Das Hallenstadion in Zürich zählt für mich zu den bisher schönsten Hallen der Tour. Die Bühne, der Innenraum und die wahnsinnig hohen und steilen Tribünen bieten ein optimales Ambiente für das erste Wiedersehen mit den Onkelz seit dem 20.05.2002. Als ich gegen Mittag an der Halle ankomme, stehen bereits die ersten Fans an den Absperrungen und warten auf den Einlass, der dann planmäßig um 17:30 Uhr beginnt. Durch die Lautsprecher begrüßt ein Hallensprecher alle Fans, heißt sie Willkommen und gibt Tipps, wie man am schnellsten und einfachsten seinen Platz findet. Das Ganze selbstverständlich in gepflegtem Schwizerdütsch. Die schweizer Fans sind alle bei bester Laune und Stimme, und es verspricht früh abermals ein großartiger Abend zu werden.

    Den eröffnen um 19:30 Uhr die Beasto´s. Heute zum ersten Mal mit Calico Cooper, der Tochter vom legendären Alice Cooper. Für mich die bisher beste Performance der Band auf der Tour. Calico gibt der ohnehin schon sehr groovigen Musik nochmal eine ordentliche Portion Entertainment. Ein Rockbrett, was man sich auch auf den kommenden Shows nicht entgehen lassen sollte.

    Ein kleiner Exkurs: Es gibt in jeder Stadt in der Regel Lautstärkebegrenzungen für ein Konzert. Während das in Deutschland eher großzügiger ausgelegt wird, wird in der Schweiz sehr darauf geachtet, dass diese Begrenzung auch eingehalten wird. Dieser Wert liegt bei 97 Dezibel und wird auf eine Stunde gemittelt. Das bedeutet, dass die durchschnittliche Lautstärke pro Stunde 97 Dezibel nicht überschreiten darf. Durch den Mittelwert ist es theoretisch möglich, einen Song mit 105 Dezibel zu spielen, wenn es in der Pause zwischen den Songs ruhig ist und der Mittelwert dadurch ausgeglichen wird. Das ist bei den Onkelz allerdings nie der Fall. Im Gegenteil, die Pausen sind mit euren Gesängen fast genauso laut, wie die PA bei den Songs. Immerhin seid ihr der beste Chor der Welt, und diesen Titel gilt es selbstverständlich in jeder Stadt zu verteidigen. Unser Durchschnitt liegt also normalerweise zwischen 102 und 103 Dezibel. Was also tun? Lautstärke reduzieren? Die Konditionalstrafe bei Überschreitung der Grenze liegt übrigens bei 10.000 CHF. Kurzum, die Entscheidung der Band fällt einstimmig aus: Wir fahren das volle Programm!

    Das volle Programm wird erstmals spürbar, als das Intro der Onkelz durch die Tribüne vibriert und spätestens bei 10 Jahre knacken wir gemeinsam die 100 Dezibel. Bierbecher fliegen durch die Luft, der komplette Innenraum, sowie jede Tribüne, tanzt und singt. Die Band ist abermals bestens aufgelegt und spielt sich in einen zweistündigen Rausch. Durch die erweiterten LED-Wände werden die Visuals darauf nochmal eindrucksvoller, finde ich. Bei „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“ sehe ich zum ersten Mal auch mehr Feuerzeuge als Smartphones, was direkt eine andere Atmosphäre schafft und vor allem schönere Bilder. Weiter so!

    Über das Set, über die Stimmung und über die Energie haben wir bereits ausgiebig geschrieben, weshalb ich den Konzertteil meines Berichts heute ganz bewusst kurz halte. Und um ehrlich zu sein, finde ich ohnehin keine adäquaten Worte, die euch das gleiche Gefühl transportieren würden, was ihr live in der Halle habt. Zürich war, für mich persönlich, die logische Fortsetzung einer Tour, die besser nicht laufen könnte. Stephan betont jeden Abend, wie dankbar die Band ist, so warm empfangen zu werden und er meint jedes Wort davon ernst. Es sind in der Tat nicht mehr die Onkelz, die sie 2005 waren. Die Onkelz 2016 sind wieder eine Band und sie sind bereit, das jeden Abend aufs Neue unter Beweis zu stellen und mit euch gemeinsam ihre Wiederauferstehung zu feiern. Ein Erlebnis, was sich mit keinem Wort und keinem Bild annähernd beschreiben lässt. Ein Erlebnis, was euch und uns niemand mehr nehmen kann.

    Danke, Zürich!

    Marco Matthes

    Fotocredis: http://www.christianthiele.de
    Böhse Onkelz Tour 2016 - Zürich
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    Onkel Kai
     
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  • 06.12.2016 - Hannover
    Hang-Over in Hannover. Oh, wie schön du bist, bei Nacht. Mehr habe ich nämlich nicht von dir gesehen, denn als ich in der TUI Arena ankomme, ist es schon fast dunkel, und als ich wegfahre, ist es immer noch dunkel. Aber mit der Abwesenheit des Lichts, Hannover, da sahst du aus, wie eine fernöstliche, orientalische Schönheit, mit all deinen leuchtenden Farben und glitzernden Lichtern. Jedenfalls für einen Moment. Den Moment des Fahrens zum Hotel.
    Die Tour heißt ja bekanntermaßen „MEMENTO Tour“ und Memento ja, wie ihr hinlänglich wisst, „Gedenke“ oder „Erinnere Dich“, und das machen wir heute dann auch mal. Wir erinnern uns kurz an diese Beziehung zwischen Frankfurt und Hannover, die (ähnlich wie Bremen, Dortmund und Berlin) schon immer inniger war, als man es vielleicht denken könnte. Also: Hannover, das ist nicht nur die Landeshauptstadt von Niedersachsen, sondern auch Geburtsstadt diversester Rock`n`Roll Größen und einiger peinlicher Pop-Unfälle. Und um die Brücke zu heute (bzw. gestern) zu bauen: Es gab eine ganze Reihe an epischen Onkelz-Shows hier. Die Shows in der Live Music Hall, in den Neunzigern. 2003 im Capitol. Erinnert ihr euch? Ich glaube, dass das Konzert damals, kurz vor den Open-Airs, in- und extern als eines der besten Onkelz-Konzerte aller Zeiten galt. Ich hatte es zu jener Zeit verpasst – höre aber immer noch ein paar Zeitzeugen davon, mit denen ich mich im Laufe meiner Onkelz-Anstellung angefreundet habe, mit Glanz in den Augen und Begeisterung in der Stimme-, sprechen. Und dann, nicht zu vergessen, gab es ja auch noch die berühmt-berüchtigte Show auf dem Expo-Gelände, während der die Sonne so gnadenlos vom Himmel brannte, dass bei gefühlten fuffizich Grad im Schatten nicht nur die Onkelz-Fans ins Schwitzen kamen, sondern auch die vielen tausend Stones-Fans, die sich extra wegen ihren Rolling Stones vorher noch den Stachel im Rektum der Nation angucken und dabei eine Sonderlektion in Sachen: „Ah, so geht also deutscher Rock`n`Roll“ über sich ergehen lassen mussten. Soviel also zu „Die Onkelz in Hannover“.
    Ihr merkt, das ist eben doch eine schöne runde Sache hier und deshalb war die Anspannung / Vorfreude auf den gestrigen Abend hoch, weil sowohl Crew, als auch Band tierisch Laune hatten, in dieser TUI Arena zu zocken. Und wenn jemand wissen möchte, wie entspannt es hier zugeht, der braucht nur einen halben Tag lang das B.O. Social Media & Presse-Office zu besuchen, das ich mir mit Christian (Thiele, Fotograf) und Michael (Schweizer, Back-Liner von Gonzo) teile. Ständig wird Niveau-Limbo gespielt und besonders Mitch wächst mit jedem schlechten Witz (Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Rigger? Die Pointe erspare ich euch an dieser Stelle…) über sich hinaus, währenddessen Thiele alles mit seinem trockenen Insel-Humor kommentiert, als hätte er in seinem Leben nie was anderes gemacht, als ständig zu schlechten Witzen noch fragwürdigere Kommentare abzugeben.Hannover bürgt also nicht nur für Qualität in Sachen Unterhaltung für die Fans, sondern auch intern wird die Spaßfahne nach der Hälfte der Tour konsequent oben gehalten.
    Während die erste Hälfte der Reise presseseitig ordentlich viel los war, ist es in Hannover erstaunlich ruhig. Nicht, dass wir keine Anfragen bekommen würden. Die gibt es, und manche werden nicht müde, in ihrer Akkreditierung zu erwähnen, wie wichtig sie doch wären; wieviel Einfluss doch ein guter Bericht auf das generelle Medienbild und die Außendarstellung der Band hätte (also ob uns das schon mal irgendwann interessiert hat…), und dass man doch nicht einfach sagen könne, dass es keine freien Kapazitäten gäbe. Doch, können wir.
    Um vielleicht dieses eine, große Missverständnis einmal schnell zu klären: Wir haben bislang keinem Journalisten „verboten“, sich eine Onkelz-Show anzusehen. Wir verschenken bloß keine Freikarten an Tageszeitungen und/oder andere Organe. That`s it. Ausnahmen bestätigen die Regel, nur mal so am Rande. Gestern war es nur ein einziger, sehr höflicher Mensch, den ich zu Beasto Blanco und zu den ersten zwei Songs der Onkelz in den Graben eskortieren durfte, heute ist niemand von der Presse vor Ort. Auch irgendwie geil, denn auch heute ist die Bude wieder bis unters Dach gefüllt.
    Die TUI Arena ist nicht die schönste Halle auf der Tour, auch wenn ich die steilen Ränge und die dadurch verstärkte Stadion-Atmosphäre stark finde. Als Faustregel gilt bei mir: schaffe ich es nicht an einem Abend mindestens fünfmal, mich in einer kreisrunden Arena zu verlaufen, dann stimmt was mit der Halle nicht. Gestern habe ich mich so gut wie nie verlaufen, was mir immer noch komisch vorkommt.
    Eine schöne, bunte Mischung wart ihr gestern. Ich glaube, ich habe so ein diverses Publikum das letzte Mal in Dortmund gesehen. Auch wenn es wie ein altes Klischee klingt, so ist es aber eben dennoch schöne Realität der Onkelz-Konzerte: hier stehen eben doch Punks neben Glatzen, Rocker, die sich zu 1% MCs zughörig fühlen neben Familienvätern mit ihren Töchtern und Söhnen, die sich große Mühe geben, den Onkelz-Virus an die nächste- und übernächste Generation weiterzugeben. Und daraus ergibt sich von alleine ein Stimmungssud, gekocht aus Zusammenhalt, Zugehörigkeitsgefühl, Gerstensaft und bester Laune, das eben nicht vergleichbar mit anderen Rock-Konzerten ist.
    Kevins Familie ist gestern nahezu vollständig zu Gast und ich habe die Ehre, die Damen und Herren ein wenig durch den Abend zu begleiten, bringe sie um kurz vor acht runter zu Kevin, der sich sehr freut, alle wiederzusehen, verbringe ein halbes Stündchen mit ihnen im Catering und geleite die fünf Personen anschließend, kurz vor der Show, hinauf in die Loge, von der aus wir uns das Konzert zum größten Teil gemeinsam ansehen.
    Die Show selbst? Auf die Zwölf, wie immer. Auch das zehnte Mal rocken diese Onkelz da oben, als wäre es die letzte Show. Und auch wenn sich – natürlich – gewisse Routinen im Laufe einer Tour einspielen, gewisse Ansagen sitzen und auch jeder genau weiß, was zu tun ist, gibt es dennoch während eines jeden Konzertes etwas Neues zu erblicken. Kleine Augenblicke der Improvisation, die noch mal ganz deutlich zeigen, wie verschworen diese vier Jungs sind. Stephan betont es bei der Ansage zu „Wo auch immer wir stehen“ jeden Abend. Er will, dass die Message in den Köpfen der Fans ankommt, und es ist klar, wieso. Die Onkelz haben so wahnsinnig viel Spaß auf der Bühne, vor den Shows, nach den Shows und an den Off-Tagen, dass man den Moment (bzw. die vielen Momente) in Stein meißeln möchte. Vielleicht, so sagt Stephan, haben sie jetzt mehr Spaß als jemals zuvor. Und ich glaube ihm das, ohne es beurteilen zu können. Mir gefällt es einfach so gut, die Jungs so lachen zu sehen – zu sehen, wie die Helden meiner Jugend es geschafft haben, zerschlagenes Porzellan aufzukehren, sich zu verzeihen, einen Ast zu nehmen und daraus einen Baum werden zu lassen, dessen Stamm so dick ist, so viel durchgemacht hat, dass ihn nichts mehr durchtrennen kann. Fünf Euro ins Pahtosschwein, aber es ist so. Gott hat ein fucking Problem.
    Mir machen so viele Dinge an der Show Spaß, aber der Ausblick gestern, von oben, der war grandios. Wie ihr getanzt habt, wie ihr gesungen und gewippt habt. Wie ihr anschließend friedlich von dannen gezogen seid. Wer schreibt eigentlich mal darüber? Nur wir. Und ihr. Und das ist gut so.
    Ein großes Highlight ist für mich immer „Erinnerung“ und das nicht, weil ich danach Feierabend habe, wie mancher vielleicht jetzt clever denken könnte, sondern weil der Song – mit seinen fast dreißig Lenzen, die er auf dem Buckel hat -, immer noch emotional-brachial nach vorne geht. Ich liebe diese Lieder, die ruhig beginnen, sich langsam aufbauen, um dann alle und alles in einem einzigen Strudel aus Pogo und Geschrei zu verzehren.
    Nach der Show ist vor der Show. Während ich das hier schreibe, ist es fast schon wieder Zeit für den Einlass. Ich gehe jede Wette ein, dass ihr heute wieder alles geben werdet, liebe Hannoveraner. Ihr seid würdig, Onkelz-Stadt zu sein.
    Bis später,
    Dennis Diel

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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    1 Std. ·

    07.12.2016 - Hannover II

    Zweiter Tag und zweite Runde – da kann immer mit etwas mehr Entspannung in den Tag gestartet werden. Die Tour läuft runder als rund, das zeigt sich immer mehr. Gerade in euren Kommentaren in den sozialen Netzwerken. Wie sollte es auch anders sein, Highlight jagt Highlight, jedes Publikum kratzt am Ruf das Beste der Tour zu sein. So langsam wird es zwar frostig, was offenbar viele von euch nicht davon abhält, bereits Stunden vor dem offiziellen Einlass vor der Halle zu warten. Der Stimmung tut das ohnehin keinen Abbruch.

    Vor der Halle ist schon bald mächtig was los, das Gelände der „Expo Plaza“ ist echt riesig und komplett im Onkelz-Style besiedelt. Überall Onkelz-Schriftzüge und Gesänge, sehr angenehmes Flair, im Gespräch mit Fans die bereits Hannover I besucht haben, gibt es nur Lob zu hören – man darf gespannt sein! Meine Vorfreude steigt minütlich.

    Wie bereits erwähnt ist die Halle wahrscheinlich eher kein Anwärter für den Schönheitspreis der Tour, aber mit den Tribünen bis unter die Decke wirkt sie sehr kompakt und schafft eine dichte
    Atmosphäre. Mittlerweile sind eben die größten Hallen einfach die einzigen Möglichkeiten, die Fans unterzubringen und Shows im angemessenen Rahmen zu spielen. Wer mehrfach den Hockenheimring bespielt hat, der muss im großen Stil denken, die Nachfrage ist riesig, die Tour hat eine unglaubliche Dimension, das wird an ganz verschiedenen Stellen immer wieder bewusst.
    Der Zeitplan ist bekannt: Beasto Blanco mit Calico Cooper steigen wieder um 19:30 Uhr mit ihrem Intro im Western/Südamerika-Style ein und können sich mittlerweile über immer mehr Support freuen, bieten sie doch auch jede Menge Mitsing-Potenzial und Interaktion. Die Show ist ideal auf ein Anheizen und Einstimmen abgestimmt. Gerade Calico setzt natürlich Akzente und gibt dem ganzen eine besondere Note. Das ist richtiges Rock´n´Roll Entertainment auf hohem Niveau! Support-Bands haben ja von jeher nicht den leichtesten Stand bei den Onkelz. Die Fans warten auf ihren Act, jede Sekunde längeres Ausharren ist schon eine zu viel. Aber bei Beasto Blanco ist die Stimmung echt gelockert und viele nutzen dann danach noch die letzte Zwischenpause, um sich mit Getränken zu versorgen.

    Auch in Hannover gibt es schon vor dem Intro viele Gesänge, die ersten Reihen drücken nach vorne, die Akkus sind vollgeladen, das macht einfach großen Spaß anzusehen. Wenn Pe auf die Bühne geht und das Licht erlischt kann es losgehen. Was muss das für ein grandioser Anblick sein, wenn man hinter den Drums in das volle Rund schauen kann. Sobald das Onkelz Logo auf den Screens erscheint, brodelt es und wenn Gonzo mit den ersten Riffs beginnt, dann gibt es kein Halten mehr. Es wurde ja bereits mehrfach erwähnt, „Gott hat ein Problem“ ist zum wirklich berechtigten Opener geworden und im Refrain wird „wir leben“ aus vollem Hals und von tausenden Armen unterstützt. Magisch ist dann einfach der Übergang zu zehn Jahre. Da brechen jedes Mal alle Dämme und das trifft auch auf Hannover zu. Ab diesem Zeitpunkt herrscht Vollrausch und Aktion, Bewegung überall, auch auf den Rängen, da hat man manchmal schon Sorgen, dass der
    eine oder andere über die Sitze fällt. Was übrigens bisher noch nicht passiert ist, soweit ich weiß.

    Stephan begrüßt und ist sichtlich begeistert vom abermals herzlichen Empfang. Wenn er euch auffordert mit Stimme und Händen zu unterstützen, dann muss er das nicht zweimal sagen. Bei
    „Finde die Wahrheit“ könnte man auf dem Händemeer durch die Halle surfen. Schon nach dem dritten Song muss Stephan kurz mit der nächsten Ansage warten, weil „Oh, wie ist das schön“-
    Gesänge jede PA übertönen. Herrlich einfach, was soll man da anderes sagen. Kevin ist, bis auf Ausnahmen bei ruhigeren Nummern, dauernd in Bewegung. Immer hart nach vorne
    und in ganz engem Kontakt zum Publikum. Auf den Plattformen an den Seiten feuert er an und fordert alles ein. Schon zu Beginn sind die Haare nassgeschwitzt, 100% Leistung, stimmlich voll da,
    wahnsinnige Performance! Gonzo filigran wie immer, beackert die ganze Bühne und tanzt um dem Mikrofonständer. Jedes Solo ein Treffer, jede Note mit Magie in die Runde gegeben. Wenn Stephan „Auf die Freundschaft“ einleitet, dann ist das immer ein ganz besonderer Moment. Vielleicht können nur die, die schon vor 2005 mit dabei waren nachvollziehen, wie viel hinter der Ansage steckt. Wie eben nicht selbstverständlich es ist, dass eine Band knappe 10 Jahre nicht mehr existiert und anschließend mit so offenen Armen, so frenetisch und begeistert empfangen wird. Größer und mit mehr Energie als jemals zuvor. Die Band meint es verdammt ernst. Ernst mit dem Song, ernst mit der Show, ernst in jedem Wort und jedem Akkord. „Memento“ ist alles was die Onkelz 2016 sind und alles was die Fans mit in die Waage werfen. Und das ist wie immer viel und vielseitig. Man kann dem Gefühl in den Berichten kaum gerecht werden, nur mal ein paar einzelne Erlebnisse herauspicken.

    Ein Beispiel: Thomas, 31, nach einem Arbeitsunfall und Schicksalsschlägen nicht mehr in der Lage seinem Job nachzugehen, mit Ehefrau auf dem Konzert. Erste Tour, erste Show, für beide. Im
    Gespräch gibt es viel Trauriges und Tragisches. Während des Konzertes aber nur Freude, Emotion und Textsicherheit. Von dort zu Jonas, 8(!) Jahre alt. Seine Eltern hatten im Vorfeld schon Kontakt über das Büro, ob man denn überhaupt mit Kind kommen könne. Ausgestattet mit Gehörschutz und einer beeindruckenden Kenntnis von Songs und Inhalten, wird der Abend auch für ihn unvergesslich. Keinen Bock auf Nikolaus aber auf Onkelz! La Familia in Reinform.

    Was gibt es sonst noch zu berichten? „Nur die besten sterben jung“ wird gewaltig stimmlich supportet, eines der Onkelzstücke schlechthin, auch nach so viele Jahren. Vor „Danke für nichts“ entschuldigt sich Stephan quasi vorsorglich schon einmal bei den weiblichen Fans in den ersten Reihen, die schon gleich heftigen Pogo-Wellen ausgesetzt sein werden. Das hat durchaus seine
    Berechtigung, da geht immer extrem viel, aber wie immer alles friedlich. Einmal sehe ich einen Körper durch die Luft fliegen, mitten in den Pogo-Kreis, bleibt er erst liegen. Schrecksekunde. Die
    Securitiy überlegt schon reinzugehen und schon sind mehrere Fans vor Ort, ziehen ihn hoch, klopfen ab, renken die Wirbel ein und weiter geht’s. Alles easy, so geht das bei den Onkelz.

    Was war es dann genau, was den Ausschlag gegeben hat, dass Stephan sich zu zwei großen Aussagen hinreißen ließ? War es der mächtige Chor zu „Wieder mal nen Tag verschenkt“, oder „Wo auch
    immer wir stehen“? Oder doch das unisono Weitersingen von „Auf gute Freunde“, auch wenn die Band schon nicht mehr spielt? Die Gesänge nach jedem Song, der „Mexico“ Pogo bis ins Nirvana?Wahrscheinlich von allem etwas, auf alle Fälle, bekommt Hannover ein ganz besonderes Lob. Stephan resümiert, dass es keinen Grund gebe, dass sich die Messestadt hinter Dortmund verstecken
    müsse. Dortmund hatte, wie in den Berichten geschildert, die Messlatte ja bekanntermaßen sehr hochgelegt.

    Was für eine Tour und was für ein Abend! Bei Erinnerungen werden noch einmal alle Kräfte mobilisiert und am Ende stehen da vier verschwitzte, geschaffte und glückliche Onkelz, Arm in Arm
    auf der Bühne. Einfach herrlich. Man mag schon hoffen, dass diese Reise einfach nie zu Ende geht.

    Memento 2016, das kann nicht voll begreifen, wer nicht dabei gewesen ist.
    Wie sagen Danke, Hannover! Nach dem Abbau geht die Reise gen Osten. Leipzig, zieht euch warm an – wir kommen und holen euch heute Nacht!

    Michael Bartl

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    Böhse Onkelz Tour 2016 - Hannover
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    10.12.2016 - Leipzig
    Onkel Kai
     
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  • http://www.onkelz.de/news/2016/12/09-12-2016-leipzig-i/

    Um die Gegenwart zu verstehen, lohnt oft ein Blick in die Vergangenheit. Damals, am 29.05.2000, erlebte ich die Onkelz zum ersten Mal live. In Leipzig! Und obwohl mein Hirn hier und da schon etwas löchrig ist, kann ich mich noch ziemlich gut an dieses besondere Ereignis für mich erinnern. Ich war gerade 15 Jahre geworden und besuchte das Konzert zusammen mit meinem besten Freund, dessen Vater und unserem damaligen Geschichtslehrer. Ja, ihr habt richtig gelesen: Unserem Geschichtslehrer. Irgendwie ein Paradoxon, denn schon damals war es nicht besonders cool ein Fan der Onkelz zu sein. Man wurde nicht als erstes in die Fußballmannschaft gewählt, musste im Schulbus trotzdem stehen und hatte eigentlich nur Scherereien, wenn man sich offiziell zu der Band bekannt hat. Achja, und Mädchen konnte man damit auch nicht rumbekommen. Songs wie „10 Jahre“, „Fahrt zur Hölle“, oder „Heute trinken wir richtig“ wirkten irgendwie nicht wirklich anziehend auf das weibliche Geschlecht. Und „Benutz mich“ kam beim ersten Kuss jetzt auch nicht so geil. Was hab ich in der Schule diskutiert und bekehrt, argumentiert und belehrt. Die Erfolgsquote war niedriger als die eines Staubsaugervertreters, kann ich euch sagen. Heute nehme ich das alles gelassener, wenngleich sich an den beschriebenen Umständen nicht wirklich etwas getan hat, glaube ich. Als ich einige der jüngeren Generation an Onkelzfans heute in der Halle gesehen habe, fühlte ich mich direkt 16 Jahre zurückversetzt. Ihr kämpft heute sicher noch mit den gleichen Vorurteilen, wie ich damals. Es ist sicher auch heute nicht „hip“, ein Fan der Onkelz zu sein und Hand auf´s Herz, ich will ehrlich sein, das wird es auch nie werden. Die Identifikation und die Liebe für diese Band, die in dieser Zeit geprägt wurde und noch geprägt wird, dürfte eine Erklärung liefern, warum auch heute Abend wieder tausende Fans den Weg in Messehalle gefunden haben.

    Von Hannover ist es (gefühlt) nur ein Steinwurf bis Leipzig. Zweimal Umdrehen in der Koje im Nightliner und schon stehen wir vor der Messehalle I. Mit einer Stehplatzkapazität von 15.000 gehört sie zu den größten Hallen der Tour. Das hängt auch damit zusammen, dass es – bis auf eine kleine Tribüne – nur Stehplätze gibt. Etwas spartanisch und klein fällt dafür allerdings der Produktionsbereich aus, der aus aufgestellten Containern besteht. Unserer Vorfreude auf die beiden Abende in Leipzig tut das allerdings keinen Abriss. Rock´n´Roll eben! Schon früh füllt sich der Vorplatz, und es sind bereits aus der Ferne laute Chöre zu hören. Ein paar Bengalos werden ebenfalls gezündet. Was im Freien ja ganz ansehnlich ist, wird in einer knackend vollen Halle mit 15.000 Leuten ein echtes Sicherheitsproblem, denke ich. Eine Befürchtung, die aber unbegründet ist, wie sich später herausstellt. Auch in Leipzig läuft nämlich alles rund und ohne besondere Vorkommnisse. So auch der Einlass, der planmäßig um 17:30 Uhr beginnt.

    Die Beasto´s legen heute abermals den Grundstein für einen großartigen Konzertabend und ich habe das Gefühl, dass sie von Mal zu Mal besser vom Publikum aufgenommen werden. Eine tolle Entwicklung, die der Qualität ihrer Musik nur gerecht wird. Später sehe ich die Jungs mitsingend bei der Onkelz im Graben. Ein tolles Bild!

    2000 war übrigens „Finde die Wahrheit“ der Opener, gefolgt von „Dunkler Ort“. Heute Abend ist es abermals „Gott hat ein Problem“ und „10 Jahre“. Zugegeben, mit jedem Konzert, das ich sehe, gefällt mir diese Kombination besser. Leipzig pogt und feiert von der ersten Sekunde, der Funken springt direkt über. Wann immer ich denke, man kann live 2 Stunden lang nicht mehr auf der Bühne geben, als die Jungs, werde ich am nächsten Konzertabend von ihnen eines Besseren belehrt. War Hannover schon 120 Minuten Hochleistungssport auf der Bühne, war Leipzig heute Abend definitiv nochmal eine Steigerung. Die Vier haben sich von Anfang bis Ende in einen Rausch gespielt und ich hatte stellenweise das Gefühl, es wäre schon das letzte Konzert der Tour. Leipzig nahm das (Onkelz-)Geschenk gerne an und bedankte sich immer wieder zwischen den Songs mit lauten Gesängen. Egal wohin wir sehen, überall glückliche Gesichter. So soll es sein! Selbst die örtliche Security singt im Graben vor sich hin.

    Was soll ich euch sagen? Schaut euch die Bilder an, es war uns ein einziges Fest und euch ganz offenbar auch! Wir schreiben das 14 Konzert der Tour und die Band ist kein bisschen müde. Kein Tourkoller, keine Sättigung und kein „Dienst nach Vorschrift“. Vielleicht lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, aber das tue ich grundsätzlich gern: Es sind nicht nur die besten Onkelz aller Zeiten, es ist auch die beste Tour aller Zeiten. Überzeugt euch selbst, falls ihr mir nicht glaubt. Wir sind jedenfalls mehr als bereit auf das, was uns mit euch gemeinsam noch erwartet.

    Leipzig, wir sind bereit für Runde 2!

    Bericht: Marco Matthes
    Fotos: http://www.christianthiele.de
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    ...du fickst dich grade selbst mein Bester!...

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  • 10.12.2016 – Leipzig II

    Mehr als drei Wochen sind seit unserem Auftakt in Bremen nun schon vergangen und es fühlt sich noch immer irgendwie surreal an, dieses Gefühl, dass die Onkelz wieder auf Tour sind. Es fühlt sich immer so lange surreal an, bis um exakt 20:45 Uhr die Lichter erlöschen. Dieser Moment ist immer gleich. Gleich elektrisierend. Gleich energetisch. Abend für Abend werden wir von einer Welle getragen und ich habe das Gefühl, dass sich die Wucht, mit der wir über die größte Hallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hereinbrechen von Stadt zu Stadt potenziert. Zugegeben, seither haben wir uns in Superlativen verloren und jeder Konzertbericht liest sich wie aus dem Schlaraffenland des Rock´n´Roll. Man könnte uns einseitige, oder verzerrte Berichterstattung vorwerfen, allerdings fühlen wir uns in unserer Wahrnehmung spätestens dann bestätigt, wenn wir in eure glücklichen Gesichter beim Verlassen der Halle sehen und eure Kommentare in den Netzwerken lesen. Nichtsdestotrotz lohnt es sich immer auch, die Wahrnehmung und Eindrücke von jemanden einzufangen, der heute Abend sein erstes Onkelzkonzert gesehen hat.

    Meine Cousine, zum Beispiel, hatte aus verschiedensten Gründen bis heute nie die Möglichkeit, die Onkelz einmal live zu sehen. Und nach dem Ende 2005 dachte sie, das würde auch für alle Zeit so bleiben. Wir alle dachten das. Heute, 11 Jahre später, hat sie privat vieles erreicht, was sie sich vorgenommen hat. Einmal ein Onkelzkonzert zu sehen, stand allerdings unerledigt auf ihrer ToDo-Liste. Das erste Mal in Leipzig. Geschichte wiederholt sich, denke ich. Eine Art musikalische Entjungferung, ungeschützt, versteht sich, um den puren Geschmack der Onkelz 2016 zu erleben.

    Was ihr und mir beim Einlass gleichermaßen auffällt, ist das abermals bunt gemischte Publikum in Leipzig. Ein heterogenes Abbild unserer Gesellschaft. Eine Auswahl aus allen gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen trifft sich kollektiv zur Messe an der Messe. Schon morgen früh wird der Polizist aus dem Pogopit wieder seinen Dienst antreten, der Punk wird wahrscheinlich ausschlafen und der Arzt aus dem zweiten Wellenbrecher wird Leben retten. Die Beispiele ließen sich beliebig erweitern. Heute Abend jedoch sind sie alle gleich. Gleich jung, gleich alt, gleich arm und gleich reich.

    Reich an Emotionen war übrigens heute für mich ganz besonders „Nur die besten sterben jung“. Wird die Diversität in dem was man ist noch deutlich, kennt das Schicksal keine Unterschiede. Egal was man mit dem Song assoziiert, er nimmt auch heute Abend alle Trauernden gleichermaßen in den Arm und für die Dauer dieses Augenblicks fühlt sich der Schmerz wie durch den Faktor 15.000 geteilt an. Es sind unter anderem diese Momente, die ein Onkelzkonzert zu etwas Besonderem machen.

    Die Band selbst ist auch heute Abend wieder von Anfang bis Ende in Höchstform unterwegs, gönnt sich keine Pause und gibt kollektiv alles. Gonzo und Stephan nutzen jeden Quadratzentimeter der Bühne aus, Kevin ist nach wie vor stimmgewaltig und textsicher unterwegs, Pe gibt den Takt vor und treibt von hinten an. Man kann sich einfach nicht an ihnen satt sehen, geht mir durch den Kopf. Ich kann mich aber auch nicht satt hören an euren Chören bei „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“, oder bei „Auf gute Freunde“, wo Gonzo auch heute Abend wieder seine Qualitäten als Anheizer unter Beweis stellt. Das ist pure Ektase! Eine allabendliche Pille ohne Gewöhnungsfaktor. Wo hat man das schon? Meine Cousine kommt unterdes aus dem Staunen nicht mehr heraus und durchlebt so ziemlich jeden Gemütszustand mehrmals auf der musikalischen Reise von „Gott hat ein Problem“ bis „Erinnerungen“, die in der Realität 120 Minuten andauert, obwohl beide Songs 29 Jahre voneinander trennt.

    Das was auch heute Abend beim Verlassen der Halle bleibt, ist das wohlige Gefühl im Bauch, dass alle Befürchtung und alle Skepsis, die Onkelz könnten live enttäuschen, unbegründet war. Jeder der dachte, er würde eine lauwarme Suppe kredenzt bekommen, die an vergangener Tage nicht heran reichen würde, muss sich revidieren. Leipzig in zwei Akten hat mich vollends überzeugt. Überzeugt, dass ihr und wir tatsächlich wieder eins sind. Dass die Onkelz, egal in welcher Stadt sie spielen, wieder leben. In euch, im Hier und Jetzt. Dafür sind wir als Crew dankbar, aber ganz besonders die Band selbst. Gegen 22:45 Uhr gehen die Lichter der Messehalle wieder an und leuchten den Weg in die Nacht. 15.000 Neffen und Nichten, darunter auch meine Cousine, verschwinden im Dunkel von Leipzigs Straßen. Glücklich und zufrieden. Sie wird in Berlin wieder dabei sein, verspricht sie. Und während ich der Szenerie etwas Ruhe abgewinnen kann, wird hinter mir schon mit dem Abbau der Bühne begonnen.

    "Ich muss weg, Zeit zu geh´n – weit entfernt rumort die See..." Wir sehen uns in Hamburg.

    Marco Matthes
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  • http://www.onkelz.de/news/2016/12/12-12-2016-hamburg-i/


    12.12.2016 – Hamburg
    14. Dezember 2016
    Wenn man sich in der Rückschau die Tourtagebuchberichte dieses Jahres durchlesen wird, so wird eine Sache vermutlich alle zwanzig Berichte verbinden: Die immer wieder wiederkehrende Betonung, wie viel Freude die vier Jungs aus Frankfurt beim gemeinsamen Spielen auf den Bühnen der Republik haben. Und in Hamburg war es gestern genauso.

    Über zehntausend Leute passen in die Barclaycard-Arena und die war gestern Abend – natürlich – ausverkauft. Bis unter den letzten Rang gefüllt. Wir haben es uns ja zur Angewohnheit gemacht, vor den Shows (in der Regel sogar vor dem Einlass) ein 360 Grad Foto zu posten, das euch einen kleinen Eindruck dessen geben soll, wie so eine leere Arena aussieht, in der nur die fette Bühne steht, fast so, als wäre sie das vergessene Relikt einer außerirdischen Spezies, die das Teil hier abgestellt, aber nicht wieder eingesammelt haben.

    Ebenso haben wir es uns zur Angewohnheit gemacht, jedes Mal – kurz bevor sich die Schleusen öffnen – ein Stimmungsbild einzufangen. Zu gucken, was bei den Fans geht, die ja auf dieser Tour mitunter vor der Herausforderung stehen, bei frostigen Temperaturen viele Stunden am Einlass auf den Einlass zu warten. Und wir machen dabei die verschiedensten Beobachtungen. Jede Stadt, halt, jeder Abend gibt ein anderes Bild ab. Gestern war es schon vor dem Einlass sehr kribbelig, denn wir alle erinnern uns noch an den 05.10.2004. Es war ein besonderer Tag. Für mich gar in zweifacher Hinsicht. Zum einen, und das ist der unwichtigere Teil, wurde ich an jenem Tag 22 Jahre jung. Zum anderen spielten die Onkelz am 05.10.04 ihr letztes Konzert in Hamburg, genau in dieser Arena, die zu der Zeit noch Color-Line-Arena hieß, und zu deren Ehren die Onkelz damals nur über Umwege kamen. Lange ist es hier und sie, nein wir alle, dachten, dass es das letzte Hallenkonzert der Onkelz für immer bleiben sollte. Dass es das nicht ist, dass die einzigen Tränen, die heute Abend fließen würden, Freudentränen seien, war damals undenkbar. Eine Sache ist fast immer gleich: Sobald sich die Tore um 17.30 öffnen, teilt sich der Strom der Onkelz-Fans in drei Teile. Der Einlass verläuft mit hanseatischer Ruhe. Die ganz jungen und wilden Fans, die rennen sofort und ohne Angst vor den tückischen Fallen des eigenen Gleichgewichts, in Richtung Innenraum, um sich den besten Platz direkt vor der Bühne zu sichern. Das andere Fanlager belagert direkt den Merchandise-Stand, um sich noch schnell mit der passenden Abendgarderobe auszustatten, und nicht minder wenige gehen es erst mal bei einem Bier ruhiger an. Es macht jeden Abend aufs Neue großen Spaß, euch bei euren Einlassritualien zuzusehen. Apropos Merchandise: Was die Mädels und Jungs hier ebenfalls, wie alle Teile der Crew, jeden Tag leisten, kann nicht hoch genug angerechnet werden. Immer freundlich, immer hilfsbereit und mit einem ganzen Strauß buntester Tour-Anekdoten ausgestattet, die sie immer wieder gerne erzählen, wenn man sie danach fragt. Du willst wissen, was echte Verbundenheit bedeutet? Gönn dir ein paar Minuten Auszeit und quatsch mit unseren Merchern über ihre Fan-Erlebnisse.

    Ich gönne mir ein paar Minuten vor der Halle und spreche mit manch bekanntem Fan-Gesicht. Teilweise habe ich die Leute schon zehn Jahre oder länger nicht mehr gesehen, alte B.O.S.C. Mitglieder, alte Hardcore-Fans und ich freue mich, über jedes Gespräch.

    Zurück in die Barclaycard-Arena: Mich beeindruckt ebenfalls immer wieder die gewaltige Architektur dieser Schüsseln, in denen die Memento-Tour gastiert. Multifunktions-Arenen, so nennen sie sich immer dann, wenn neben dem Rock`n`Roll Abriss, der stattfindet, sobald die Onkelz in der Stadt sind, auch noch andere Aktivitäten stattfinden. Ich verlaufe mich ja immer in ihnen, aber das liegt grundsätzlich mehr an meinem praktisch nicht vorhandenem Orientierungssinn, als an der inneren Logik der Hallengänge. Sehr zum Amüsement meiner Kollegen, die sich schon in Bremen über meine Hilflosigkeit beim Suchen nach der passenden Tür unterhalten gefühlt haben.

    Nach so vielen Shows muss noch mal die Leistung von Beasto Blanco gewürdigt werden. Ich finde, dass die Band eine verdammt geile Show abreisst und jeden Abend dafür sorgt, dass ihr auf Betriebstemperatur gebracht werdet. Dass das nicht immer einfach ist, für die Onkelz den Support zu machen, und jeder eurer „Wir wollen die Onkelz hör`n!“ Chöre sympathisch zurückgespielt wird, ist nicht selbstverständlich. Ich denke, die Beastos wissen zu schätzen, was für eine fette Gelegenheit sie hier haben, und ihr wisst zu schätzen, was das an Eiern benötigt, vor unserer Lieblingsband zu spielen.

    Ich liebe den Moment, in dem das Hallenlicht ausgeht und es nur noch wenige Sekunden sind, die die Band von euch trennen. Wenn dann das Intro vorbei ist, die ersten Töne von „Gott hat ein Problem“ erklingen und Kevins Erscheinen auf der Bühne das Startsignal zum Freidrehen gibt, ist eigentlich klar, dass es einfach keine bessere Lehrstunde im Rock geben kann, als diese zwei folgenden. Der frenetische Beifall, den ihr automatisch abgebt, sobald Kevin die Bühne betritt und die Arme hochreißt, lässt mich jedes Mal aufs Neue sprachlos zurück. Sein „JAAAAA“, kurz vor der ersten Strophe in „10 Jahre“, ist genau dieses „JAAAA“, das wir alle seit 2004 vermisst haben, und dass es 2014 und 2015 am Ring und jetzt endlich wieder in euren Wohnzimmern gibt. Dieses „JAAAA“ sagt: „Hör gut zu, ich bin zurück. Ich bin fit wie noch nie und ich lebe. Und ich werde dir jetzt mal zeigen, was ich meine. Verstehst du? Zieh dich warm an!“ Russell legt sein ganzes Selbstvertrauen, seine ganze Präsenz in dieses Wort und verdammt… spätestens jetzt wird jeder, der vorher nur vom Hörensagen erzählt bekommen hat, warum ein Onkelz-Konzert mit nichts anderem vergleichbar ist, wissen, wie der Hase läuft. Es ist ein Energieaustausch par excellence. Kevin, Stephan, Gonzo und Pe mal euch, gleich ONKELZ. Stephans: „Es braucht zwei Dinge, für einen geilen Abend: Eine gut aufgelegte Band, und euch!“ bringt es immer wieder auf den Punkt. Die Stimmung ist ausgelassen, fast enthemmt. Kevin hat sich den ganzen Tag sehr auf die Show in seiner Heimatstadt gefreut. Er ist voller Euphorie. Genauso Pe, Stephan und Gonzo. Diese Band hat eine ganz besondere Chemie, die gefühlt werden kann – so haben wir es schon mal geschrieben. Und es ist tatsächlich so. Jeder, der die Onkelz zu seiner Lieblingsband zählt, kann das fühlen.

    Ich persönlich finde, dass Hamburg sich von seiner feinsten Seite gezeigt hat. Ebenfalls auffällig war gestern, dass das Publikum erneut eine bunte Mischung quer durch den Garten der Subkulturen bot. Und das gehört seit Jahr und Tag ebenfalls zu dem Phänomen der Onkelz: Hier haut sich eben keiner in die Fresse. Hier wird den Leuten aufgeholfen, wenn sie umfallen und hier wird – zusammenfassend geschrieben – aufeinander aufgepasst. Und es wird sich auch mal in den Arm genommen. „Wo auch immer wir stehen“ beweist das, Abend für Abend. Gestern habe ich mir vorgenommen, den Song mal genauer zu beobachten. Und es hat sich gelohnt, denn er bietet über seine Minuten hinweg ein Potpourri verschiedenster Emotionen, die euch und die Band betreffen. Meine zwei Lieblingszeilen aus dem Song sind: „Nirgends daheim, immer allein, und doch bin ich der, der dich hört, wenn du schweigst“ und „Nichts ist für die Ewigkeit, gesungen von Dir – ist Zeit unseres Lebens unser Anker im hier“. Hier muss man sich nur eure Gesichter angucken. Der Song ist erst wenige Wochen alt und schon jetzt ein echter Klassiker. Hamburg, ihr saht toll aus, wie ihr euch umarmt habt, wie ihr den Song mitgesungen habt – wie ihr ihn zum Leben erweckt habt. Das gilt ausnahmslos für alle Songs des gestrigen Abends und für jeden Moment. Für die leisen, die lauten und die sehr lauten Momente von diesem Teil der Memento-Tour.

    Dennis Diel

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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    39 Min. ·

    13.12.2016 – Hamburg II

    Moin, Moin, Hamburch!

    Ihr habt bei mir ja schon ein Stein im Brett, ohne dass ihr überhaupt einen Song angestimmt habt, um ehrlich zu sein. Denn wenn es mich nicht nach Berlin verschlagen hätte, dann wäre es ganz sicher Hamburg geworden (ich hoffe, dass ich das nicht auch schon von anderen Städten der Tour behauptet habe). Hamburg, dass steht für mich für Geradlinigkeit, Verlässlichkeit, Zurückhaltung, aber auch für Selbstbewusstsein und Anstand. Hier zählt noch der Handschlag und das Wort! Wann immer ich dachte, ich hätte als Berliner schon alles gesehen, hat mich die Reeperbahn übrigens eines Besseren belehrt. Gediegen is dat!

    Wie sagt man: Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird. Verstanden und verwachsen mit Hamburg, fühlt sich natürlich ganz besonders Kevin. Seit jeher verbindet ihn mit der Hansestadt nicht nur seine Geburt, sondern eine tiefe Liebe zu Land und Leute. Hier ist und war er immer daheim, weshalb Konzerte in Hamburg für ihn immer auch ein stückweit nach Hause kommen bedeutet. Nach Hause kommen heute Abend abermals mehr als 15.000 Neffen und Nichten, die sich den zweiten Akt der 120 Minuten andauernden Hafenrundfahrt, durch 36 Jahre Diskografie der Band, nicht entgehen lassen wollen. Der Vorplatz zur Halle füllt sich kontinuierlich und es herrscht eine freundliche, wenn auch hanseatisch zurückhaltende, Stimmung. Alles ganz entspannt und unkompliziert. Wie zu Hause eben.

    Nu ma nich lang schnacken, Marco!

    Die Beastos eröffnen pünktlich und hinterlassen auch heute Abend einen durchweg positiven Eindruck. Sie sind längst auf der Tour angekommen und liefern in jeder Stadt eine überzeugende Performance, die Lust darauf macht, die Band weiter zu verfolgen. Nordisch nobel quittiert das Publikum den sehenswerten Auftritt mit Beifall und rhythmischen auf der Stelle treten. Die Jungs um Calico Cooper sind einfach wahnsinnig sympathisch, was sich auch heute Abend u. a. wieder darin zeigt, dass sie während der Onkelz kontinuierlich im Graben zu finden sind, um gemeinsam mit Hamburg zu feiern. Danke, Beasto Blanco!

    Kurz bevor um 20:45 Uhr, mittlerweile ritualisiert, das Licht der Halle erlischt, steht „die Band der Ungeliebten“ im Backstage und schwört sich gemeinsam ein. In jeder Stadt und an jedem Abend das gleiche Bild. Schlichtweg nicht denkbar vor der Reunion. Heute bilden sie einen Kreis, liegen sich in den Armen, klatschen ab, als würden sie sich als Mannschaft auf den Weg zum Champions-League-Finale machen. Jeder Abend ist gefühlt ein Finale. Man muss nicht leise sein, um die Fangesänge bis in Garderobe hören zu können. Es knistert. Dann machen sich die vier auf den Weg zur Bühne, wo bereits das Intro läuft. Pe ist der Erste, der die Bühne betritt und hinter seinen Drums Platz nimmt. Dann folgt Gonzo, der noch eben den Volume-Regler seiner Gitarre hochdreht, was offenbar auch unmittelbar die Lautstärke in der Halle erhöht. „Für immer Onkelz“ singt Hamburg auch heute Abend stimmgewaltig und dahinter verbirgt sich nicht nur der Opener, sondern eben auch eine Lebenseinstellung, eine Philosophie. „Und was ist wenn das Ende nichts, als ein bö(h)ser Anfang ist?“ – der Anfang eines großartigen Abends zum Beispiel, der seinen ersten Höhepunkt bereits mit „10 Jahre“ hat. Was für ein Brett, immer noch und immer wieder! Onkelz, wie man sie hasst und liebt, passt auch heute

    noch 26 Jahre nach Entstehung des Songs. Entweder, man hat sein Herz an die vier Frankfurter verloren, oder eben nicht. Es gibt nichts dazwischen und das wird wohl auch bis in alle Ewigkeit so bleiben. Ein wenig Beständigkeit in der Unbeständigkeit, sozusagen.

    Man merkt der Band, und insbesondere Kevin an, dass sie heute Abend nochmal die obligatorische Schippe drauf legen wollen. Kevin heizt ein, wo er kann und ich bin jedes Mal beeindruckt, was es für Jubel auslöst, wenn er die Seitenpodeste hinaufsteigt. Dann werden die Arme in den Himmel gestreckt, als wollte man versuchen mit ihm abzuklatschen, als wäre er für einen Moment greifbar. Kevin, das ist der Inbegriff von Hass und Liebe. Ein ständiger Kampf mit Yin und Yang, mit Licht und Schatten, mit sich selbst. Das verbindet ihn mit so vielen und deshalb ist er auch heute Abend nicht nur der Sänger der Onkelz, sondern der wandelnde Ausdruck und Beweis, dass man alles im Leben schaffen kann. Dass man sich immer neu erfinden kann. Gleichzeitig zeigt sich spätestens bei „Wo auch immer wir stehen“, dass Kevin viel Energie aus den nicht enden wollenden Fangesängen zieht. Diese Energie zeigt sich auch heute Abend. Die Band agiert noch immer mit einer Spielfreude, die vermuten lässt, dass es sich um das erste Konzert der Tour handeln könnte, obwohl wir schon weit über die Hälfte hinter uns haben.

    Ohne viel gesabbel:

    Hamburch, meine Weihnachtsperle, dass war heute Abend der krönende Abschluss unserer Stippvisite im hohen Norden. Ihr habt uns verdammt viel Spaß gemacht und wir hoffen, dass ihr ebenfalls einen großartigen Abend erlebt habt. Wir biegen mit Berlin so langsam auf die Zielgerade der Tour ein, obwohl sich jedes Konzert wie der Beginn von etwas Großartigem anfühlt. Eine Band, die uns noch viele dieser unvergesslichen Abende bereiten wird.

    Moin,
    Marco Matthes

    Fotocredits: www.christianthiele.de
    Böhse Onkelz Tour 2016 - Hamburg II
    BÖHSE seit 1997 / B.O.S.C. #1991 (21.10.2002)
    09.05.2000 - Erfurt
    30.06.2001 - Berlin
    05.06.2002 - Dresden
    28.09.2004 - Riesa
    17.06.2005 - Lausitzring
    18.06.2005 - Lausitzring
    20.06.2014 - Hockenheimring
    19.06.2015 - Hockenheimring
    10.12.2016 - Leipzig
    Onkel Kai
     
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  • http://www.onkelz.de/news/2016/12/16-12-2016-berlin/


    16.12.2016 – Berlin
    17. Dezember 2016
    Berlin, wat war denn dit, bitte?

    Auf kein Konzert der Tour hab ich mich persönlich so gefreut, wie auf Berlin. Klar, Heimatstadt ist immer besonders, aber ich habe tatsächlich, bis auf die Club Show 2003, nie ein Onkelzkonzert in Berlin gesehen. Ich weiß auch gar nicht warum, um ehrlich zu
    sein. Nun komme ich gebürtig nicht aus Berlin und fand Berlin als Jugendlicher auch nie wirklich prickelnd. War mir als Dorfjunge viel zu groß, zu schnell, zu laut und (gefühlt) zu kriminell. Ich hörte und las ja ständig irgendwas Negatives aus Berlin und meine Oma
    warnte mich auch immer, dass ich unbedingt auf mich aufpassen solle. Kurzum: Mich hat es zu Onkelzkonzerten eher nach Leipzig, Riesa, oder Schwerin gezogen. Umso gespannter war ich, endlich herauszufinden, was Berlin onkelztechnisch kann.

    Dass Berlin ein gutes Omen für die Onkelz ist, wissen wir spätestens seit der Tour 2000 und dem fast legendären Konzert in der Waldbühne, welches mit vielen Sequenzen in
    dem damaligen Tourfilm verewigt wurde. Da lag es nur nahe auch die diesjährige DVDProduktion wieder in die Hände Berlins zu legen, nachdem das ursprünglich angedachte
    Dortmund von der Statik der Westfalenhalle leider passen musste.

    War 2004 noch das Velodrom hallentechnisch das Maß aller Dinge, ist die 2008 eröffnete Mercedes-Benz-
    Arena mit einer Kapazität von 17.000 Plätzen mittlerweile die größte Halle Berlins. Hier geben sich regelmäßig Künstler wie Deep Purple, Elton John, oder a-ha, die Klinke in die
    Hand. Die Arena ist schon ganz auf die Vorweihnachtszeit eingestimmt und begrüßt die Fans mit Weihnachtsbaum im Foyer. Das Wetter passt dazu, es ist kalt geworden und die
    Temperatur soll heute Nacht deutlich unter 0 Grad senken. Da ist es umso wichtiger, die Halle schnell auf die onkelztypische Betriebstemperatur zu bringen. Dass das heute Abend mehr als gelingen würde, war wahrscheinlich noch zu erahnen. Dass es das, meiner Meinung nach, beste Konzert der Tour werden würde, damit hatte ich allerdings, insbesondere nach den Erlebnissen in Frankfurt und Dortmund, nicht gerechnet.

    Mittlerweile sind wir bei Konzert 16 der Tour angelangt und alles #läuft. Die DVDProduktion an beiden Tagen in Berlin macht natürlich noch ein paar zusätzliche
    Vorbereitungen notwendig. So finden sich heute eine auf Schienen fahrbare Kamera direkt am vorderen Bühnenrand, zusätzliche Kamerateams im Graben und eine an Seilen aufgespannte Spidercam, die über die Köpfe der Fans hinweg das Geschehen
    einfängt. Zudem ist nochmal ein komplettes Produktionsteam vor Ort, dass die DVDProduktion organisiert und umsetzt. Für Christian Thiele, der unsere Fotos macht, bedeutet das heute ein komplett schwarzes Outift zu wählen, um möglichst wenig bei
    der Aufnahme aufzufallen. Hier wird nichts dem Zufall überlassen!
    Die Halle ist wie gewohnt an beiden Tagen ausverkauft. Die kleinen Kontingente an Restkarten, die als Rückläufer entstanden sind, sind bereits nach wenigen Minuten
    vergriffen.

    Schon der Soundcheck von Band und Support, Beasto Blanco, wird von den unzähligen Kameras eingefangen, um möglichst ein umfangreiches Bild der Produktion abzuliefern. Die interne Stimmung ist auch heute großartig, die Band freut sich sichtlich
    auf den Abend. Beste Bedingungen also, um das Wiedersehen der Onkelz in Berlin nach 12 Jahren filmisch festzuhalten.

    In der ersten Reihe treffen wir auf einen mittlerweile Altbekannten: Thomas, der es sich bis auf eine Ausnahme nicht hat nehmen lassen, alle Shows der Tour zu besuchen, und
    dabei immer die erste Reihe zu besetzen. Hut ab, das nennt man wohl onklifiziert! Vor Beginn der Show herrscht bereits eine großartige Stimmung im Publikum. Einige Damen werden auf den Schultern getragen und es bilden sich Gruppen, die sich noch
    weit vor Konzertbeginn zusammen warm singen. Das hat wirklich viel von Fußballstadionatmosphäre, was in Berlin ja eine große Tradition hat.

    Nach dem Startschuss, mit „Gott hat ein Problem“, gibt die Band von Beginn an alles, was ihre Akkus zu bieten haben. Und das ist auch im letzten Drittel der Tour noch eine Menge! Stephan begrüßt nach „10 Jahre“ die Fans und erntet Jubel und Sprechchöre. Gerade der Hinweis auf die Aufzeichnung am Abend wird frenetisch gefeiert. „Auf die Freundschaft“ nimmt er zum Anlass, noch einmal die Bedeutung der Tour für die Band, die hohe Wertschätzungen gegenüber den Fans, sowie die Dankbarkeit und Freude, zu betonen. Dabei nimmt er sich heute Abend ganz besonders viel Zeit, hab ich das Gefühl. Mit einem Satz bringt er es jedoch für mich auf den Punkt: „Und das haben
    wir hauptsächlich einer Tatsache zu verdanken, der Form von Kevin Richard Russell!“. Beifall, Sprechchöre und kollektive Glückseligkeit, in den Augen von Kevin, der Band und
    ihren Fans. Es sind auch heute Abend die besten Onkelz auf der Bühne, die es je gab, was auch Stephan noch einmal betont. Eine Performance ohne Tadel, keine Schnitzer, keine
    lauwarme Onkelzsuppe. Nur völlige Ekstase und pure Energie.
    Gonzo ist wieder in ständiger Bewegung, mit unendlicher Spielfreude und einem Niveau an der Gitarre, dass jeden Rockmusikbegeisterten und jeden Hobbygitarristen in
    Verzückung und Staunen versetzt. Wenn er bei „Bomberpilot“ den Mikroständer in Jimmy Hendrix Manier zum Spielen einsetzt, oder vor „Auf gute Freunde“ soliert und einheizt, dann ist das ein Gonzo, wie wir ihn wahrscheinlich nie aktiver auf der Bühne
    gesehen haben. Er übernimmt auf dieser Tour einen viel aktiveren Part, was ihm zum einen sichtlich Spaß bereitet und ihm zum anderen offenkundig liegt. Pe, der Antreiber aus dem Hintergrund: Kommt sein Bild auf die Screens, dann sieht man Konzentration und Energie, Spielfreude und jede Menge Power. Gerade die neuen Songs bieten viele Optionen, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und die Doublebass versetzt die Tribüne in Dauervibrationen.

    Stephans Ansagen sitzen heute Abend ganz besonders und es gelingt ihm die Bedeutung, gerade der neuen Songs, auf den Punkt zu bringen. Vielen seiner Worte werden häufig
    später in den sozialen Netzwerken zitiert und geteilt, weshalb ganz besonders wichtig ist, dass diese sitzen.

    Setzen wir einen Strich drunter und fassen zusammen:
    Was für ein Wiedersehen mit Berlin! „Ein rauschendes Fest“, resümiert Stephan, mehr als treffend. Danke an euch alle, die diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis
    gemacht und damit Berlin endgültig in die Hall of Fame der besten Onkelzkonzerte eingeführt haben.

    Berlin, dit war Knorke! Bereit für Runde 2?
    Marco Matthes & Michael Bartl
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  • 17.12.2016 – Berlin II
    Seit Wochen sitze ich nach jedem Konzert vor meinem Laptop, rekapituliere die eben erlebten 120 Minuten Onkelz und setze sie – mehr oder weniger gewollt - in einen Kontext mit den bereits vergangenen Shows der Tour. Dass es ohnehin von Konzert zu Konzert nicht einfacher wird, noch mit einer spannenden, mitreißenden Story um die Ecke zu kommen, die euch minutenlange Gänsehaut auf euer Onkelztattoo zaubert, muss ich sicher nicht erwähnen. Das ganze Prozedere in meinem Kopf erinnert mich immer etwas an diese Logikrätsel à la „Welcher Begriff passt nicht in diese Reihe“: Apfel – Banane – Birne – Gurke. Dann frage ich mich jedes Mal, was denn nun die Gurke auf der Tour war und vergleiche die Städte, um einen Ansatz zu haben, auf dem ich meinen Bericht aufbauen kann. Damit ist jetzt aber Schluss, weil ich entschieden habe: Vergleiche sind scheiße! Wir werden im Leben ja nun schon genug verglichen: Mit dem/der Ex, mit den Arbeitskollegen, oder mit den Geschwistern. Dabei sind es, wenn überhaupt, nur Nuancen, die die einzelnen Shows dieser großartigen Tour voneinander unterscheiden. Vielleicht sind hier mal die Chöre beim Einlass etwas lauter, oder das Klatschen bei „Auf gute Freunde“, aber am Ende eint alle Konzerte: Eine höchst spielfreudige Band und ein Konzerterlebnis, dass uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.
    In Erinnerung wird uns auch definitiv Berlin bleiben. Die zweite Halbzeit startet mit einem Blick auf die Gästeliste, die auch heute wieder prall gefüllt ist. Die Band hat viele Freunde hier und niemand will es sich nehmen lassen, heute Abend dabei zu sein. Insbesondere nicht, weil Tag I schon alle Erwartungen übertroffen hat. Deshalb bin ich auch super froh, dass mir Jola vom örtlichen Veranstalter mit den Gästen unter die Arme greift. Wir haben uns gestern schon kollektiv gefragt, was heute Abend eigentlich noch kommen kann? Ich meine, irgendwann geht einfach auch nicht mehr. Mir erzählte eine Dame des Hauses, die schon seit mehreren Jahren Shows in der Mercedes-Benz-Arena betreut, dass sie schon viel gesehen habe, aber diese Gesänge und diese Energie habe sie bei noch keiner Veranstaltung erlebt. Der beste Chor der Welt eben, denke ich.
    Ich selbst habe heute Abend mit meiner Mutter, meinem Bruder und einem ehemaligen Arbeitskollegen gleich drei Leute im Publikum, die a) noch nie ein Onkelzkonzert gesehen haben und b) ehrlich genug sind mir zu sagen, wenn ich mit meiner Einschätzung des Abends völlig daneben liege. Die bereits in einigen Städten angesprochene Heterogenität des Publikums zeigt sich nicht nur bei meinen oben genannten Gästen, sondern auch im generellen Publikum des Abends. Die Fanlandschaft in Berlin ist abermals bunt durchmischt, besteht aus allen Altersstufen und gesellschaftlichen Schichten und bietet damit ein bestechendes Abbild von Berlin selbst. Die Atmosphäre knüpft schon mit dem Einlass nahtlos an den gestrigen Tag an und wir sind uns früh sicher, dass auch heute Abend großartig werden wird.
    Die Band ist Backstage wieder bestens gelaunt, obwohl mit der Niederlage für die SGE und dem HSV durchaus Frustpotential besteht. Egal, heute Abend wollen sie sich nochmal gebührend aus der Hauptstadt verabschieden. Wieder wird sich zu viert eingestimmt, abgeklatscht und angeheizt. Es herrscht eine euphorische Stimmung auf dem Weg zur Bühne und pünktlich um 20:45 Uhr startet das Finale in Berlin.
    Wenn mehr als 15.000 Fans schon beim zweiten Song kollektiv mit „10 Jahre“ die PA übertönen, dann kann das nur ein gutes Vorzeichen für ein starkes Onkelzkonzert werden. Diese unfassbare Lautstärke wird später nochmal bei „Nur die besten sterben jung“ und „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“ bis weit in den Backstagebereich hörbar sein. Das ist kein klassisches Rockkonzert - das ist eine Messe, ein Zusammenschluss von Menschen, die für 120 Minuten mit höchster Leidenschaft die Wiedergeburt der Onkelz feiern. Nochmal: Man kann es nicht erklären, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Mein Kumpel, Andi, steht mit offenem Mund und leuchtenden Augen hinter mir und wird später bestätigen, wovon ich ihm vorher in der Theorie immer berichtet habe: Es ist die Energie, die Intensität der Fanliebe zu den Onkelz, die diese Band so besonders, nein, einzigartig macht. Das Ganze funktioniert auch nur als Einheit: Onkelz und ihre Fans. Eine einfache Formel, die im Ergebnis nicht mehr benötigt, als diese beiden Parameter. Die Songs sind das Vehikel, was die Geschichte der Band für jeden Einzelnen erlebbar macht und wiederum zu soviel Identifikation führt. Das war immer so und wird auch immer so bleiben.
    Dass diese Formel funktioniert zeigt sich an diesem Abend, wann immer sich die Band eine kurze Pause zum Verschnaufen und zum Resorbieren der Stimmung nimmt. Dann sind die Chöre in der Arena so laut, dass Stephan kaum zu Wort kommt. Auch heute nimmt er sich wieder viel Zeit, um seine Ansagen zu setzen und den Fangesängen den Raum zu geben, die sie verdient haben. Wann immer die Kameras die Gesichter der Band auf den riesigen Leinwänden in Großaufnahme zeigen, muss man nicht Hellseher sein, um zu sehen, dass diese Vier glücklich und dankbar sind. Dankbar, dass ihr in jeder Stadt nicht mehr als die pure Freundschaft entgegengebracht wird.
    Mir persönlich machen die Onkelz 2016 einfach extremen Spaß. Wenn wir uns allein unseren Kevin mal ansehen, wie er seit Wochen in jeder Stadt abliefert, von links nach rechts hüpft und die Mähne schwingt, dann ist das bei weitem mehr, als man jemals erwarten konnte. Er ist wieder da und präsenter, als jemals zuvor. Seine Interaktion mit dem Publikum, seine Gesten nach oben bei „Nur die besten sterben jung“, machen ihn so unglaublich menschlich und nahbar. Eigenschaften die man ihm vor der Reunion abgesprochen hat. Ihn so klar zu sehen und zu erleben ist das größte Geschenk der Onkelz, was Stephan auch heute treffend vor „Wo auch immer wir stehen“ formuliert.
    Mit dem Zugabenblock wird der Onkelz-Stimmungs-Seismograph nochmal derart zum Ausschlagen gebracht, dass das Registrieren, was da gerade passiert, gar nicht möglich ist. Spätestens bei „Mexico“ findet man sich im Epizentrum der Stimmungsentladung wieder und man muss sich schon kneifen, wenn man begreifen will, was da im Innenraum und auf den Rängen abgeht. Da sitzt niemand mehr auf seinen Platz. Da werden nochmal alle Kraft mobilisiert, um bei der Stelle zum Tanzen steil zu gehen. Ich sag ja, die deutsche Sprache kennt keine passenden Begriffe für diese Bilder. Mit „Erinnerungen“ setzt die Band den Schlusspunkt zweier Konzerttage in Berlin, die wir so schnell nicht vergessen werden. Am Ende, bleibt uns nur Danke zu sagen. Danke, für eure Liebe zu den Onkelz, die uns jeden Abend mit einem breiten Grinsen zurücklässt.
    Marco Matthes
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  • Onkel Kai hat geschrieben:Böhse Onkelz (Offiziell)
    28 Min. ·

    17.12.2016 – Berlin II

    Seit Wochen sitze ich nach jedem Konzert vor meinem Laptop, rekapituliere die eben erlebten 120 Minuten Onkelz und setze sie – mehr oder weniger gewollt – in einen Kontext mit den bereits vergangenen Shows der Tour. Dass es ohnehin von Konzert zu Konzert nicht einfacher wird, noch mit einer spannenden, mitreißenden Story um die Ecke zu kommen, die euch minutenlange Gänsehaut auf euer Onkelztattoo zaubert, muss ich sicher nicht erwähnen. Das ganze Prozedere in meinem Kopf erinnert mich immer etwas an diese Logikrätsel à la „Welcher Begriff passt nicht in diese Reihe“: Apfel – Banane – Birne – Gurke. Dann frage ich mich jedes Mal, was denn nun die Gurke auf der Tour war und vergleiche die Städte, um einen Ansatz zu haben, auf dem ich meinen Bericht aufbauen kann. Damit ist jetzt aber Schluss, weil ich entschieden habe: Vergleiche sind scheiße! Wir werden im Leben ja nun schon genug verglichen: Mit dem/der Ex, mit den Arbeitskollegen, oder mit den Geschwistern. Dabei sind es, wenn überhaupt, nur Nuancen, die die einzelnen Shows dieser großartigen Tour voneinander unterscheiden. Vielleicht sind hier mal die Chöre beim Einlass etwas lauter, oder das Klatschen bei „Auf gute Freunde“, aber am Ende eint alle Konzerte: Eine höchst spielfreudige Band und ein Konzerterlebnis, dass uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird.

    In Erinnerung wird uns auch definitiv Berlin bleiben. Die zweite Halbzeit startet mit einem Blick auf die Gästeliste, die auch heute wieder prall gefüllt ist. Die Band hat viele Freunde hier und niemand will es sich nehmen lassen, heute Abend dabei zu sein. Insbesondere nicht, weil Tag I schon alle Erwartungen übertroffen hat. Deshalb bin ich auch super froh, dass mir Jola vom örtlichen Veranstalter mit den Gästen unter die Arme greift. Wir haben uns gestern schon kollektiv gefragt, was heute Abend eigentlich noch kommen kann? Ich meine, irgendwann geht einfach auch nicht mehr. Mir erzählte eine Dame des Hauses, die schon seit mehreren Jahren Shows in der Mercedes-Benz-Arena betreut, dass sie schon viel gesehen habe, aber diese Gesänge und diese Energie habe sie bei noch keiner Veranstaltung erlebt. Der beste Chor der Welt eben, denke ich.

    Ich selbst habe heute Abend mit meiner Mutter, meinem Bruder und einem ehemaligen Arbeitskollegen gleich drei Leute im Publikum, die a) noch nie ein Onkelzkonzert gesehen haben und b) ehrlich genug sind mir zu sagen, wenn ich mit meiner Einschätzung des Abends völlig daneben liege. Die bereits in einigen Städten angesprochene Heterogenität des Publikums zeigt sich nicht nur bei meinen oben genannten Gästen, sondern auch im generellen Publikum des Abends. Die Fanlandschaft in Berlin ist abermals bunt durchmischt, besteht aus allen Altersstufen und gesellschaftlichen Schichten und bietet damit ein bestechendes Abbild von Berlin selbst. Die Atmosphäre knüpft schon mit dem Einlass nahtlos an den gestrigen Tag an und wir sind uns früh sicher, dass auch heute Abend großartig werden wird.

    Die Band ist Backstage wieder bestens gelaunt, obwohl mit der Niederlage für die SGE und dem HSV durchaus Frustpotential besteht. Egal, heute Abend wollen sie sich nochmal gebührend aus der Hauptstadt verabschieden. Wieder wird sich zu viert eingestimmt, abgeklatscht und angeheizt. Es herrscht eine euphorische Stimmung auf dem Weg zur Bühne und pünktlich um 20:45 Uhr startet das Finale in Berlin.

    Wenn mehr als 15.000 Fans schon beim zweiten Song kollektiv mit „10 Jahre“ die PA übertönen, dann kann das nur ein gutes Vorzeichen für ein starkes Onkelzkonzert werden. Diese unfassbare Lautstärke wird später nochmal bei „Nur die besten sterben jung“ und „Wieder mal ´nen Tag verschenkt“ bis weit in den Backstagebereich hörbar sein. Das ist kein klassisches Rockkonzert – das ist eine Messe, ein Zusammenschluss von Menschen, die für 120 Minuten mit höchster Leidenschaft die Wiedergeburt der Onkelz feiern. Nochmal: Man kann es nicht erklären, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Mein Kumpel, Andi, steht mit offenem Mund und leuchtenden Augen hinter mir und wird später bestätigen, wovon ich ihm vorher in der Theorie immer berichtet habe: Es ist die Energie, die Intensität der Fanliebe zu den Onkelz, die diese Band so besonders, nein, einzigartig macht. Das Ganze funktioniert auch nur als Einheit: Onkelz und ihre Fans. Eine einfache Formel, die im Ergebnis nicht mehr benötigt, als diese beiden Parameter. Die Songs sind das Vehikel, was die Geschichte der Band für jeden Einzelnen erlebbar macht und wiederum zu soviel Identifikation führt. Das war immer so und wird auch immer so bleiben.

    Dass diese Formel funktioniert zeigt sich an diesem Abend, wann immer sich die Band eine kurze Pause zum Verschnaufen und zum Resorbieren der Stimmung nimmt. Dann sind die Chöre in der Arena so laut, dass Stephan kaum zu Wort kommt. Auch heute nimmt er sich wieder viel Zeit, um seine Ansagen zu setzen und den Fangesängen den Raum zu geben, die sie verdient haben. Wann immer die Kameras die Gesichter der Band auf den riesigen Leinwänden in Großaufnahme zeigen, muss man nicht Hellseher sein, um zu sehen, dass diese Vier glücklich und dankbar sind. Dankbar, dass ihr in jeder Stadt nicht mehr als die pure Freundschaft entgegengebracht wird.

    Mir persönlich machen die Onkelz 2016 einfach extremen Spaß. Wenn wir uns allein unseren Kevin mal ansehen, wie er seit Wochen in jeder Stadt abliefert, von links nach rechts hüpft und die Mähne schwingt, dann ist das bei weitem mehr, als man jemals erwarten konnte. Er ist wieder da und präsenter, als jemals zuvor. Seine Interaktion mit dem Publikum, seine Gesten nach oben bei „Nur die besten sterben jung“, machen ihn so unglaublich menschlich und nahbar. Eigenschaften die man ihm vor der Reunion abgesprochen hat. Ihn so klar zu sehen und zu erleben ist das größte Geschenk der Onkelz, was Stephan auch heute treffend vor „Wo auch immer wir stehen“ formuliert.

    Mit dem Zugabenblock wird der Onkelz-Stimmungs-Seismograph nochmal derart zum Ausschlagen gebracht, dass das Registrieren, was da gerade passiert, gar nicht möglich ist. Spätestens bei „Mexico“ findet man sich im Epizentrum der Stimmungsentladung wieder und man muss sich schon kneifen, wenn man begreifen will, was da im Innenraum und auf den Rängen abgeht. Da sitzt niemand mehr auf seinen Platz. Da werden nochmal alle Kraft mobilisiert, um bei der Stelle zum Tanzen steil zu gehen. Ich sag ja, die deutsche Sprache kennt keine passenden Begriffe für diese Bilder. Mit „Erinnerungen“ setzt die Band den Schlusspunkt zweier Konzerttage in Berlin, die wir so schnell nicht vergessen werden. Am Ende, bleibt uns nur Danke zu sagen. Danke, für eure Liebe zu den Onkelz, die uns jeden Abend mit einem breiten Grinsen zurücklässt.

    Bericht: Marco Matthes

    Fotocredits: http://www.christianthiele.de
    Böhse Onkelz Tour 2016 - Berlin II
    BÖHSE seit 1997 / B.O.S.C. #1991 (21.10.2002)
    09.05.2000 - Erfurt
    30.06.2001 - Berlin
    05.06.2002 - Dresden
    28.09.2004 - Riesa
    17.06.2005 - Lausitzring
    18.06.2005 - Lausitzring
    20.06.2014 - Hockenheimring
    19.06.2015 - Hockenheimring
    10.12.2016 - Leipzig
    Onkel Kai
     
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  • http://www.onkelz.de/news/2016/12/19-12-2016-muenchen/


    19.12.2016 – München
    20. Dezember 2016
    Gerade als ich mich gestern, gegen halb neun, auf den Weg zur Bühne mache, bekomme ich auf meinem Handy die Nachricht, dass in Berlin vor wenigen Minuten ein Sattelschlepper in einen Weihnachtsmarkt gefahren ist. Nur 48 Stunden nachdem wir in Berlin gespielt haben und Teile unserer Crew u. a. den Off-Day dafür genutzt haben, die Berliner Weihnachtsmärkte zu besuchen. Ich erwische mich direkt, wie ich diese Nachricht für mich als Terror verbuche, diszipliniere mich dann aber und hoffe, dass es sich um einen Unfall handelt. Das macht das Ergebnis zwar nicht weniger schlimm, aber die Angst kleiner. Später stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich sehr wahrscheinlich um einen Terroranschlag handelt, der – Stand jetzt – 12 Tote und 48 Verletzte fordert. Das, was bisher „nur“ als abstrakte Gefahr formuliert war, ist heute in der Hauptstadt angekommen.

    Natürlich nimmt man ein Onkelzkonzert anders wahr, wenn etwa 600 Kilometer entfernt, in der Heimatstadt, Menschen reanimiert werden müssen und man nicht weiß, ob es den Leuten, die man kennt, gut geht. Ich müsste lügen, wenn ich das Gegenteil behaupten würde. Nichtsdestotrotz, oder vielleicht gerade deshalb, ist es wichtig, nicht in eine Schockstarre zu verfallen, und schon gar nicht dem Terror einen Raum in seinen Gedanken zu geben. Aus diesem Grund beschließe ich schon während des Intros, die furchtbaren Geschehnisse auszuklammern und München meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu widmen, die es ohne jeden Zweifel verdient hat.

    Was assoziiere ich denn eigentlich mit München, kommt mir da spontan in den Sinn. Also zunächst mal den FC Bay…. – ach, lassen wir das mal besser. Auf jeden Fall aber zufriedene, freundliche, entspannte Menschen und deftige Küche. Alles auch ein bisschen gediegener und ausgeglichener, hab ich das Gefühl, wenn ich in München bin. Das zeigt sich heute auch beim Einlass: Die Halle füllt sich behäbig, aber stetig. Der Münchner hat Zeit und keine Eile, die Bühne rennt ja nicht weg und bis zum Beginn sind es auch noch mehrere Stunden.

    Die Olympiahalle selbst hat, zumindest gefühlt, ihre besten Jahr hinter sich, aber an Charme nichts eingebüßt. Mit mehr als 15.000 Plätzen bietet sie jedenfalls genügend Potential für ein rauschendes Wiedersehen mit den Onkelz. Ein Wiedersehen nach dem 01.09.2004, dass ohne jeden Zweifel das Prädikat „bestanden“ verdient hat.

    Als das Licht um 20:45 Uhr erlischt und das Intro beginnt, entlädt sich die bayrische Behäbigkeit in einen ersten Schauer aus Bià im Innenraum. Von 0 auf aufdrād in nur 2 Songs, nicht schlecht! Mit jedem der 23 Songs wird die Olympiahalle mehr zum Schauplatz einer perfekte Symbiose zwischen den besten Onkelz, die es je gab, und den besten Fans, die München zu bieten hat. Zwischen den Lieder immer wieder frenetische Chöre, die selbst in der 10 Kilometer entfernten Säbener-Straße, dem Uli noch eine Gänsehaut verpasst haben dürften. Im Innenraum kontinuierlicher bayerischer Volkpogotanz, der mich stellenweise, in der Fall- und Aufstehgeschwindigkeit einiger Beteiligten, an Franck Ribéry erinnert. Keine Ahnung warum…

    Stephan ist heute Abend gesundheitlich etwas angeschlagen, was seinen prägnanten Ansagen aber keinen Abbruch tut. Der Stimmung und der Performance ohnehin nicht. Kevin ist auch zwei Shows vor Schluss noch bei bester Stimme und Physis, interagiert mit den Fans und geht „vorne voran“, wie Stephan treffend feststellt. Gonzo, der für mich persönlich, die Form seines Lebens hat, beweist sich auch heute Abend als Anheizer und brilliert neben seinen Solis auch mit fortbestehender Präsenz, die ihm sichtlich Freude bereitet. Auch darin erkennt man, dass die Band tatsächlich wieder eine Band ist, denke ich. Die Stimmungskurve erreicht ihren Höhepunkt im Zugabenblock und endgültig mit „Mexico“. Den Song, der auf Platte nie gehört wird, aber live jeden um den Verstand bringt. Allerspätestens jetzt steht jeder auf den Rängen und tanzt ausgelassen, ehe mit „Erinnerungen“ ein mehr als gelungenes Wiedersehen perfekt wird.

    Bühne frei für Runde 2!

    Bericht: Marco Matthes
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  • 20.12.2016 – München II
    22. Dezember 2016
    Vieles hat sich geändert, legt man die Onkelz heute auf ihre Blaupause aus 2005. Die Band selbst, sie war nie besser, hat sie mehr als bewiesen. Die Fans, ihr, wart nie lauter, nie mehr an Zahl und im Herzen verbunden, habt ihr auch mehr als bewiesen. Man könnte jetzt meinen, dass auch die Journaille nach 36 Jahren Bandgeschichte ihren Frieden mit den Onkelz gefunden hat, wobei „Frieden finden“ nicht synonym für „mögen“ ist. Eher für ignorieren. Dass das nicht der Fall ist, lesen wir seit Tourstart immer wieder. Offenkundig sind wir nach wie vor, für die Presselandschaft, mehr als ein feuchter Furz, der nicht verfliegen will. Wir haben uns im Vorfeld dieser Tour ganz bewusst dafür entschieden, kleinen (Web-) Magazinen die Möglichkeit zu geben, Bilder von Shows zu machen, und über die jeweiligen Konzerte zu berichten. Größere Verlagshäuser haben wir, mit Ausnahme des Metal Hammer & der Rock Hard, nicht akkreditiert. Dass das auch die richtige Entscheidung war, beweist der Artikel der Süddeutschen Zeitung, den ich heute morgen beim Kaffee im Hotel lese. Ich nehme mir mal die Zeit, um dieses Beispiel etwas näher zu beleuchten, weil es sinnbildlich dafür ist, wie ein Großteil der Presse heutzutage offenbar berichtet.

    Die Süddeutsche Zeitung hatte uns vor ein paar Wochen kontaktiert und wollte eine Akkreditierung für das erste Konzert in München. Wir haben freundlich, aber bestimmt, abgesagt. Das fand die Süddeutsche allerdings jetzt nicht so freundlich und hakte, fast schon in investigativer Mission, erneut nach, wie viele Pressevertreter denn grundsätzlich zugelassen worden seien. Man habe Rücksprache mit dem Verlagsjustiziar (großartiges Wort) gehalten und wäre darin übereingekommen, – Achtung, jetzt kommt´s – dass der deutsche Steuerzahler, dessen Steuergelder ja schließlich in den Bau der Olympiahalle geflossen sind, auch ein Anrecht darauf habe, zu wissen, was in der Olympiahalle passiere. So, so, da ist nichts Wahres dran! Ich für meinen Teil, finanziere zum Beispiel, mit meinem monatlichen Rundfunkbeitrag (GEZ), auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und mich hat bisher noch nie die ARD, oder das ZDF eingeladen, um mir mal ein Bild davon zu machen, was die mit meiner Kohle eigentlich so anstellen. Euch?

    Wie es sich anfühlen muss, wenn man im Kindergarten mitspielen möchte, aber nicht darf, wird deutlich, wenn man den oben erwähnten Bericht der Süddeutschen liest. Sofern ihr diesen noch nicht gelesen habt, bedenkt bitte, dass die Einnahmen, die aus der dort angezeigten Werbung generiert werden, ja zumindest mittelbar von euch kommen. Da sollte doch mindestens ein Rundgang in der Redaktion drin sein, finde ich. Bei der Gelegenheit könnte man auch direkt mal gucken, ob die Damen und Herren immer so haarscharf am selbst auferlegten Pressekodex vorbeischreiben. Halten wir fest: Die Onkelz polarisieren auch nach 36 Jahren noch und das ist auch gut so. Durch Reibung entsteht ja bekanntlich Wärme und nichts würde sich falscher anfühlen, als eine Band, die alle lieben.

    Wenn fast 15.000 Fans erneut die Olympiahalle entern, dann rufen die Onkelz zum zweiten Tanz und der hatte es, wie in allen Städten bisher, in sich. Diesmal war die Lunte, die es brauchte, bis es auch den Letzten auf den Rängen nicht mehr auf den Sitzen hielt, deutlich kürzer. Finde die Wahrheit, womit wir wieder beim Thema wären, bietet ein Panorama, an das sich die Band auch heute Abend nicht satt sehen kann. Ein Meer aus Händen, begleitet durch eure Chöre, die unsere PA immer wieder übertönen, wirken wie Balsam auf Stephans angekratzter Stimme. Musste vor 2005 Stephan häufig Kevins angeschlagene Stimme kompensieren, ist es heute Abend andersrum und dieser Umstand betont umso mehr, wie gut es Kevin geht. Der dreht heute Abend nämlich nochmal auf und beackert erneut jeden Quadratzentimeter der Bühne, als hätte er sein Handy irgendwo liegen gelassen und würde es suchen. Dass parallel die SGE zu Hause gegen Mainz führt und auch der HSV gegen Schalke auf der Siegerstraße ist, bleibt der Band natürlich nicht verborgen und sorgt für zusätzlichen Auftrieb in einem Meer aus feiernden Fans. Eine Atmosphäre wie im Fußballstadion, nur ohne Halbzeit. 120 Minuten Volldampf, in der mehr als nur die Pflicht erfüllt wird. Mehr als nur seine Pflicht erfüllt heute Abend auch Pe, der leider in unseren Berichten und Fotos immer viel zu kurz kommt. Für mich hat er musikalisch den größten Sprung seit 2005 gemacht. Der Pe, der heute an den Drums sitzt, ist hoch konzentriert und das muss er auch sein. Schließlich sind gerade Songs wie „Auf die Freundschaft“ besonders anspruchsvoll, weil komplexer vom Aufbau. Das gelingt ihm heute, wie auf der gesamten Tour, ausgesprochen gut. Gonzo und Stephan, die nie vertrauter miteinander auf der Bühne agierten, sind auch in München in den Solis und in den Ansagen auf den Punkt. Ich habe zwar den letzten Ton bei „Schutzgeist der Scheiße“, oder „Kirche“, den Stephan und Gonzo immer zusammen spielen und sich dann gegenseitig feiern, wenn dieser auf die Millisekunde sitzt, schon mehrfach gesehen und doch muss ich jedes Mal wieder vor mich hin grinsen. Dieser letzte Ton, so trivial wie er auch klingt, ist aber irgendwie auch Ausdruck von zwei Herzen, die wieder im gleichen Takt schlagen.

    München, das war für mich ein Wiedersehen mit alten und neuen Freunden. Ein Wiedersehen, an das man sich gerne erinnert und was man unbedingt wiederholen möchte. Ihr habt uns einmal mehr mit offenen Armen empfangen und bewiesen, dass wir keine Presse benötigen, um zu leben. Was euch und uns verbindet wird immer mehr sein, als ein durchschnittlicher Journalist im Stande ist zu verstehen.

    Danke und Pfiat di, München!

    Bericht: Marco Matthes
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23. Dez 2016, 00:03


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