Aktuelles aus dem Hause BO

... seit 1980. Alles, was es über uns an Neuigkeiten zu diskutieren gibt, gehört hier rein. Blog-Einträge, Fakten, Interviews.


  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    25 Minuten ·

    22.11.2016 – Frankfurt II

    Frankfurt, Frankfurt, Frankfurt – Sache gibt’s, die gibt’s net!

    Heute Abend waren wir alles Frankfurter Jungs und Mädels und das schreibt jemand, der aus Berlin kommt. Das will was heißen! Aber ihr habt mich als neuen Exil-Frankfurter gewonnen, meine Begeisterung für die eure entfacht und bewiesen, dass der mehr als gelungene Tourauftakt am Vorabend so etwas wie der Aperitif für die zweite Show war.

    Als sich der Vorplatz zur Festhalle zusehends füllt, die ersten „Onkelz, Onkelz“-Rufe aus der Ferne den Weg weisen, ist zu erahnen, dass Teil II heute Abend noch eine Schippe drauf legen kann. Die Vorzeichen dafür stehen jedenfalls gut: Der Einlass beginnt pünktlich und läuft reibungslos. Für die kommenden zwei Stunden wird die Festhalle abermals zum Auffangbecken für Freude, Trauer, Wut und Schmerz. Eine Art von musikalischer Gruppentherapie, die von den Onkelz geleitet wird. Eine Führung durch die Klaviatur der Emotionen in 23 Akten, an dessen Ende genügend Dopamin freigesetzt wurde, um es bis zum nächsten Konzert auszuhalten.

    Auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole, tue ich es trotzdem: Die äußerst sympathischen „Vagabundos de Lujo“ überzeugen mich auch am zweiten Abend mit handwerklich ausgezeichneter Gitarrenarbeit und Frankfurt honoriert das mit verdientem Beifall. Zurecht! Bei ihrer Interpretation von „Auf gute Freunde“ und dem Gesang aus tausenden Kehlen, bestätigt sich mein Gefühl, dass das hier heute Abend eine glattte 10/10 werden kann.

    Ihr Vagabundos: Wir sagen DANKE für zwei großartige Tage mit euch!

    Nach einer kurzen Umbaupause gönne ich mir, wie gestern schon angekündigt, heute mal eine ordentliche Dröhnung von Beasto Blanco. Was die Vier dort abliefern kann sich absolut sehen lassen. Die harten Riffs und das treibende Drumming führt unweigerlich zum 4/4-Tremor im Kopf und in den Beinen. Frankfurt, sind wir uns da einig? Ich empfehle euch, die Jungs auf jeden Fall einmal auf den kommenden Shows abzuchecken.

    Abchecken ist übrigens, ein gutes Stichwort: Wir sollten mal Facebook-Live abchecken, haben wir uns gedacht. Ihr wisst schon, dieser neumodische Krempel aus dem Internetz. Was 2005 nur mit überdimensionierter Technik denkbar war, ist heute gar kein Problem mehr. Live-Stream von überall und nirgendwo – klingt interessant. Wir entscheiden uns für „Auf die Freundschaft“. Stephan spricht vor dem Song von einer „Familie, die ihres Gleichen sucht“ und genau deshalb wollen wir diesen auch mit denjenigen teilen, die nicht oder noch nicht live dabei sein können/konnten. Die Aktion sprengt unsere ambitioniertesten Erwartungen und in nicht einmal 24 Stunden hat der Song mehr als eine halbe Million Aufrufe. Wir finden, gar nicht schlecht für den Anfang. Da geht aber sicher noch was…

    Im Anschluss daran mache ich mich, zusammen mit unserem Fotografen, Christian Thiele, auf den Weg durch die Ränge, um die – bereits gestern beschriebene – „Emotion des Moments“ einzufangen. Christian im Bild und ich im Wort. Unser Weg führt uns über den ersten Rang, wo wir auf ein älteres Pärchen treffen, was sich in den Armen liegt und den „Schutzgeist der Scheiße“ besingt, oder bekriegt. Ich glaube, letzteres. Die Bilder auf den Leinwänden, das Licht und die Schwere der gesungenen Zeilen, wirken wie ein Strudel und spätestens beim Solo sind beide ein Teil des Songs. So geht es vielen, glaube ich. Die Assoziation mag für jeden unterschiedlich sein – die Identifikation hingegen ist immer gleich. Wir gehen mal weiter…

    Ein paar Blöcke daneben treffen wir auf einen langhaarigen Metaller, der bei der Ansage von „Lieber stehend sterben“ zunächst so laut und ekstatisch brüllt, dass Christian ohne Probleme ein Bild seiner Mandeln gelingen würde, um dann von Anfang bis Ende jede einzelne Note auf seiner Luftgitarre (ich vermute eine Gibson) mitzuspielen. Einschließlich des Solos, versteht sich.

    Der Innenraum läuft derweil zur Höchstform auf, ehe mit „Nur die besten sterben jung“ ein weiterer Song der Setlist folgt, der wie in einer Achterbahn zwischen hoch und tief Erinnerungen hervorruft, die der Alltag eigentlich längst verdrängt haben sollte. Hatte er zumindest versprochen. Viele im weiten Rund schließen die Augen und ich frage mich, was das wohl für Bilder sind, die jetzt in ihren Köpfen sind. Nichts, was wir in Bild und Wort beschreiben können.

    Was ich aus musikalischer Sicht am neuen Set besonders mag, sind die oktavierten Stimmen im Refrain einiger Songs. Dazu zählt zum Beispiel „Jeder kriegt was er verdient“, oder „52 Wochen“. Insgesamt fällt auf, dass sich Gonzo mehr und mehr auch gesanglich einbringt, was dem ganzen Eindruck auf der Bühne mehr Homogenität gibt.

    Wir wechseln noch ein letztes Mal den Standort und treffen auf der gegenüberliegenden Seite im 1. Rang auf ein Pogopotpourie im Innenraum, bestehend aus Frauen und Männern verschiedenen Alters. Die musikalische Einladung für ein Tänzchen folgt postwendend mit „Danke für nichts“. Und weil man auf einem Bein nicht (mehr) stehen kann, legt die Band mit „Bomberpilot“ direkt nach. Aus Schweiß, Rotze und Bier entsteht in Windeseile, bei gefühlten 40 Grad im Innenraum, eine spiegelglatte Eisfläche, die selbstredend ausprobiert werden möchte. Von oben erinnert es mich irgendwie ans Leben: Auf der Schleimspur anderer ausrutschen, hinfallen und wieder aufstehen. Angerempelt werden, hinfallen, jemand mit nach unten ziehen, wieder aufrappeln und von vorn beginnen usw. Vielleicht ist die Interpretation aber auch viel zu philosophisch und eigentlich ist der Grund ganz einfach: Spaß. Ich bin glücklich, dass nach dem Zugabenblock alle wieder stehen und sich in den Armen liegen – sei es nun aus Zuneigung, oder weil anders keine Körperspannung mehr hergestellt werden kann. Egal, Hauptsache ihr habt Spaß!

    Mit „Erinnerungen“ schließen wir das Kapitel Festhalle in Frankfurt für 2016 vorerst. Ich könnte mich jetzt noch auf mindestens 2 Seiten in Superlativen der beiden Abende verlieren, verzichte aber und zitiere stattdessen lieber Stephan:

    „Frankfurt, es waren zwei gnadenlos geile Konzerte!“. Punkt.

    Marco Matthes



    Fotocredits: http://www.christianthiele.de
    Böhse Onkelz Tour 2016 - Frankfurt II
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    50 Minuten ·

    Abendkasse für Dortmund I & II

    Wir werden heute und morgen noch ein paar wenige Restkarten für beide Konzerttage an der Abendkasse anbieten. Wer also noch last minute in Dortmund dabei sein möchte, muss schnell sein, weil die Kontingente sehr klein sind. Der Preis an der Abendkasse beträgt 70 Euro.

    Euer BO-Team

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  • Böhse fürs Leben: Die 6fach Vinyl ab 16.12.
    Pünktlich zur Tour konnten wir die ersten Pressungen der „Böhse fürs Leben“ 6fach Vinyl in den Händen halten. Haptik, Optik und Klang sind fett. Jede Menge zum Anfassen, Vinyl-Geruch und Schuber lassen Analog-Fanherzen wie unsere schneller schlagen.
    Das ist Böhse fürs Leben auf Vinyl im Detail:
    6fach Vinyl 180gramm
    hochwertiger Schuber mit Prägung
    Booklet in LP Größe
    Viel Vergnügen.
    Eure Onkelz
    glubberer1989
     
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    9 Minuten ·

    24.11.2016 Dortmund I

    25. November 2016
    Jeder kennt diesen einen Freund. Der Freund, der bei allem, was man selbst total abfeiert, immer irgendwas total Gegensätzliches zu sagen hat. Entweder, weil er es toll findet, stets die Anti-Position in einer Freundschaft zu vertreten, oder weil er klugscheißen möchte. Klugscheißer mag bloß niemand, auch ich nicht, deshalb muss es bei ihm wohl die Anti-Position sein, man weiß es nicht so genau. Egal, denn genau dieses Exemplar eben jener Gattung männlicher Mittdreißiger hatte ich in Dortmund als Anhängsel dabei. Wir kennen uns seit dem Sandkasten und er hat sich in meiner Jugend, in der praktisch nonstop aus meinen Boxen Iron Maiden, Metallica und Onkelz schepperten (sieht man von einer kurzen technoiden Unterbrechung in den Jahren `99 bis `01 ab, während der ich Onkelz-Shirt gegen Kuhweste und Onkelz Konzert gegen Loveparade getauscht hatte), praktisch vehement dagegen gewehrt, irgendwas an dieser, von mir heiß und innig geliebten Band, geil zu finden.

    Und dem wollte ich es gestern mal so richtig geben. Ich konnte ihn überzeugen, sich eine Karte zu kaufen. Er wisse ja nicht, was er verpasst, waren meine Worte. Dortmund und Onkelz, das darf man nicht einfach so an sich vorbeiziehen lassen; auch dann nicht, wenn man vielleicht nicht so der größte Onkelz-Fan der Galaxis ist, denn – und das ist einfach Fakt – man hat kein Rockkonzert erlebt, wenn man keine Onkelz Show in Dortmund erlebt hat. Und genau dieser Typ hat bei meinen euphorischen Erzählungen aus der Vergangenheit immer nur ein müdes Lächeln aufgesetzt und so getan, als hätte er nur rosa Rauschen vernommen. „Ja, ja, klar. Der helle Wahnsinn. Mhm…“ Ja, ja heißt bekanntermaßen „Leck mich am Arsch“, also hatte ich die vage Hoffnung, dass mich die Konzertbühnen-Hauptschlagader des Ruhrpotts an jenem gestrigen Donnerstagabend nicht enttäuschen sollte; dass bei meinem Kumpel die Plomben aus der Kauleiste kullern, wenn das Intro ertönt und die Band loslegt. Ich war gespannt, ob mein Vorhaben funktionieren würde, denn sind wir mal ehrlich: es gab vor gestern Abend schon ein paar Unbekannte in dieser Gleichung. Klar, ich habe alle Onkelz-Shows in Dortmund ab 1998 selbst gesehen und kann bestätigen: der Hype ist real, soviel ist sicher. Mehr Stimmung als da ging nie, mehr Chöre gab es bei keiner anderen Show, aber die Frage, die bei mir alles beherrschte war, ob 12 Jahre nach dem letzten Konzert der Onkelz in dieser fetten Schüssel mit dem unübersehbaren U auf dem Dach, noch irgendwem der 13.000 Fans, der bis unter den letzten Rang prallvollen Westfalenhalle, daran gelegen war, den – über alle musikalischen Grenzen hinweg – legendären Ruf der Onkelz-Konzerte im Pott weitertragen zu wollen.

    Und was soll ich jetzt schreiben? Ich muss konstatieren und damit direkt das Fazit vorwegnehmen: Es war gut. Okay, es war verdammt gut. ES WAR DER BLANKE WAHNSINN mit fünf Ausrufezeichen! Ehrlich, ich habe das so noch nie erlebt.

    Das Licht erlischt pünktlich um 20.45 und es tobt ein Orkan der Euphorie durch die Schüssel, dass jeder, der nicht irgendwann im Laufe seines Lebens sein Herz gegen einen Eisklotz eingetauscht hat, aufstehen muss und eine Gänsehaut bekommt. Und dann gibt es kein Entkommen mehr. Kurzes, sehr graphisches Intro und dann Gonzo. Gitarre, Stephan, Bass, Pe, Schlagzeug. Und Kevin. Er reißt die Arme hoch, sein Auftreten lässt den Pott erzittern und ich muss unweigerlich an das legendäre Intro der Dortmund Show von `96 zurückdenken, als unser Kevin bei „Hier sind die Onkelz“ die Bühne entert und sich abfeiern lässt, als gäbe es keinen Morgen. „Gott hat ein Problem“ ist ein Brett voller Magie; voller epochaler Wucht, die spätestens im Refrain unbedingt laut mitgesungen und rausgelassen werden muss. Und jeder, der bis gestern behauptet hat, dass der Song allerhöchstens als verlängerter Arm des Intros taugt, der muss sich korrigieren. Das ist kein verlängertes Intro, das ist ein Brett von einem Opener, herrje! Wenn sich zigtausend Kehlen vereinen und „FÜR IMMER ONKELZ – GOTT HAT EIN PROBLEM“ aus ihren Mündern spucken, dann ist das der Beginn einer zweistündigen Abfahrt, bei der keine Gefangenen gemacht werden. Dortmund hat dem Song großen Respekt erwiesen und das hat mich sehr gefreut, denn so (und nur so) muss er bei euch ankommen. Lasst es zu, dass er an erster Stelle steht und feiert den Moment, dass eure Lieblingsband wieder in euren Arenen spielt von der ersten Sekunde an, nicht erst ab „10 Jahre“. Kurzer Blick zu meinem Kumpel: aha, okay, da regt sich was am Mundwinkel. Und ich meine auch schon eine Woge der leisen Begeisterung verspürt zu haben, als „10 Jahre“ beendet war. Er schaut kurz zu mir rüber und nickt. Gut, das kann ja noch heiter werden, schießt mir in den Kopf.

    Ich will nicht so viele Worte zu der Setlist verlieren. Die kennt zum einen eh schon jeder, zum anderen hat Marco schon sehr schön auf diverse Highlights verwiesen. Gerne picke ich mir aber mal meine Rosinen raus, die zwar immer von Abend zu Abend variieren können, aber gestern folgendermaßen aussahen: „Wieder mal `nen Tag verschenkt“. Punkt. Wie ihr da mitgesungen habt, das werde ich meinen Lebtag nicht mehr vergessen. Ich hatte das Gefühl, das alle schlechten Gedanken, alles Tieftraurige in mir und um mich herum, für diese paar Minuten zum Erliegen kommen. Werde ich zu sentimental, wenn ich schreibe, dass ich echt schlucken musste? Es ist nicht gelogen, also raus damit. Ein Meer aus kleinen Leuchtdioden der Smartphone-Cams und diese eine „Meta-Stimme“, erzeugt aus den Stimmen von tausenden Frauen und Männern, die lauter waren, als die P.A. Es lag ein Hauch von etwas ganz Besonderem in der Luft. Und das war auch der erste Moment, in dem die Kinnlade meines Kumpels nicht mehr nach oben klappte. Das war`s für ihn. „Irgendwann kriegen wir auch dich“ – das gestern war Daniels „irgendwann.“ „Wieder mal `nen Tag verschenkt“. Ich glaube, er hat ab da genau verstanden, was die Onkelz so besonders macht.

    Klar, mein Hirn wird sich auch bis ans Ende aller Tage an den krassen Pogo bei den großen Hits des Onkelz-Katalogs bei der gestrigen Show erinnern. Und auch daran, dass eine Reihe vor uns irgendwann, irgendein Fan auf die Idee gekommen ist, einfach richtig steilzugehen und zwei, drei Reihen vor und hinter uns es ihm gleichtaten und anfingen, zu pogen, sich auf den Händen zu tragen und hin und wieder hinzufallen. Dass dabei niemand zu Schaden kommt ist auch ein Stück weit Teil des großen Ganzen.

    Ich bin heilfroh, dass die Band diese Tour so erleben kann, wie sie sie erlebt. Dass irgendwer da oben es echt gut meint mit den Jungs. Dass Gonzo da mit der Gitarre an seiner Seite abgeht, als wäre er mit ihr verwachsen, als bildeten sie eine bio-organische Einheit, ist beeindruckend mitanzusehen. Er animiert, er wirbelt wie ein Irrwisch von links nach rechts, vorne nach hinten und peitscht, klatscht, und spielt fehlerfrei. Stephan strahlt wahnsinnige Gelassenheit aus, ist sichtlich euphorisiert und seine Ansagen sitzen. Pe ist der Puls von hinten, der Takt und Ausgleich. Und Kevin ist eh nicht zu bremsen. Eine Wucht, eine Naturgewalt, ein Mann, dessen Ausstrahlung seit 2014 alleine dafür sorgen könnte, dass man mitgerissen wird; in diesen Strudel, aus dem es für zwei Stunden kein Entkommen gibt, bis dann mit „Erinnerungen“ Schluss ist. Jeder, der nach diesen hundertzwanzig Minuten noch Aggressionen in sich trägt, jeder, der danach nicht völlig ausgelaugt und glücklich ist, einfach jeder, der nicht das Gefühl hatte, eben ein paar der besten Augenblicke des Jahres gehabt zu haben, der war nicht da. Der kann nicht mitreden und sollte besser die Klappe halten. Mein Freund allerdings, der war da. Und nachdem das Hallenlicht wieder angegangen ist, muss er sich kurz schütteln, blinzeln und legt mir mit einem trockenen: „Gut, dann brauch ich ja jetzt keine anderen Konzerte mehr besuchen“ ein Lachen auf die Backen. Dass er sich ein bisschen über die Lautstärke mokieren musste, konnte er sich dann eben aber auch nicht verkneifen. Anti-eben.

    Dortmund, das ist in erster Linie das Ruhrgebiet. Und das Ruhrgebiet ist mehr als Dortmund. Das sind Bochum, Gelsenkirchen, Mülheim und Essen. Das sind Bottrop, Duisburg, Oberhausen und Moers. Und viele andere Städte. Metropole Ruhr, wird das hier von den schlauen Leuten in den schicken Gebäuden genannt. Aber es ist noch was Anderes: Das Ruhrgebiet ist Herzlichkeit, Ehrlichkeit, Fußballwahnsinn und grau in graue Tristesse. Hier lachen Menschen bei einem Pils oder Alt zusammen, die sich beim Revier-Derby noch verbal auf die Mappe hauen. Hier wohnt der Maurer neben dem Schlosser, hier ist es tatsächlich egal, ob du Hartz IV oder Rente beziehst, solange du kein Arschloch bist, und hier tragen die Menschen das Herz auf der Zunge. So, wie es auch eine Band aus Frankfurt macht. Unsere Band. Eure Band. Ihr, die und wir – wir waren gestern alle „der Pott“. Dortmund II muss sich heute ganz schön strecken, wenn das getoppt werden soll.

    Dennis Diel

    Böhse Onkelz Tour 2016 - Dortmund I
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  • Maggi6348 hat geschrieben:http://www.onkelz.de/wp-content/uploads/2016/11/2016-11-24_BO_Dortmund_2705-620x310.jpg

    das cover für live in do II. ;-)

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    SORRY FÜR'S SPAMEN ;)

    Tim: Dieses eine Mal drücke ich ein Auge zu. Und zwar aus reiner Willkür, weil ich es witzig finde. ;-)
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    4 Min ·

    Abendkasse für Stuttgart I & II

    Wir werden morgen noch ein paar wenige Restkarten für beide Konzerttage in Stuttgart an der Abendkasse anbieten. Wer also noch last minute dabei sein möchte, muss schnell sein, weil auch diese Kontingente sehr klein sind.

    Eine Kartenhinterlegung (gg. Ausweisvorlage) an der Abendkasse ist über folgenden Link möglich:
    https://www.easyticket.de/veranstaltung/boehse-onkelz/

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  • 25.11.2016 Dortmund II

    Das berühmte weiße Blatt Papier. Der Feind aller Kreativität, aller Wortschöpfungen, allen Schreibens. Und genau vor diesem Blatt sitze ich gerade und überlege, wie ich die Eindrücke des gestrigen Abends irgendwie, meiner Chronistenpflicht entsprechend, in eine sinnhafte Abfolge von Buchstaben ketten kann, die euch allen, die nicht dabei gewesen sind, irgendwie ein Bild dessen wiedergibt, was da eigentlich losgewesen ist, in dieser Westfalenhalle in Dortmund. Ich laufe in meinem Büro herum, spreche tolle Sätze in das Diktiergerät meines iPhones, höre mir diese wieder an und lösche, lache über meine eigene Angespanntheit, irgendwas furchtbar Cleveres zu Papier bringen zu müssen. Aber es ist nicht das Lachen eines Mannes, der die Situation gelassen nimmt. Es ist das verzweifelte Lachen eines Mannes, der weiß, dass wenn er jetzt nicht gleich zu schreiben beginnt, die Deadline zur Abgabe die Feder killt, das Schwert geschärft wird und dann, ich würde zwischenzeitlich am liebsten meinen Kugelschreiber fressen, muss er doch geschrieben und fertig werden - dieser Artikel über dieses spektakuläre Biest eines Konzertes von gestern.

    Gestern habe ich euch ja von Daniel* (* Name NICHT von der Redaktion geändert) erzählt. Der war praktisch instant-Fan nach dieser Gala vom Donnerstag. Und am Freitag, kurz vor meiner Abfahrt in Richtung Dortmund, bekomme ich eine Sprachnachricht von ihm auf mein Handy geschickt. 30 Sekunden. Vielleicht auch 45. Jedenfalls war es der Refrain von „Der Junge mit dem Schwefelholz“. Nicht von ihm gesungen; das wäre das letzte gewesen, was ich hätte hören wollen, nee: Er hatte es gerade im Autoradio laufen. Der Typ hat sich also Memento gekauft, denke ich mir. Gut, scheinbar ist es doch gar nicht so schwer, aus einem nicht-Fan einen Fan zu machen, auch wenn mein Verdienst an der ganzen Sache eher sehr gering ausfällt.

    Warum ich das schreibe?
    Ich finde persönliche Geschichten und Gespräche mit Fans / nicht-Fans immer total interessant. Die Beobachtung der verschiedensten Menschen; diese Diversität, die finde ich hochspannend. Und auch wenn sich der Anteil der nicht-Fans an beiden Tagen im Promille-Bereich befunden haben dürfte, so sind es diese kleinen Randnotizen, die mir immer wieder zeigen, wie wichtig die Onkelz im jüngst angebrochenen 37sten Jahr ihrer Bandgeschichte sind. Noch immer, vielleicht mehr als je zuvor.
    Wobei wir (endlich) beim großen Thema des Abends sind: HAPPY BIRTHDAY, LIEBE ONKELZ. HAPPY BIRTHDAY TO YOU! 36 Jahre brutto, kein bisschen leiser, aber sehr wohl weiser als zu Beginn ihrer Karriere, womit die apodiktische Aussage aus „10 Jahre“ direkt widerlegt ist. Und nach dem Knarzen der Tattoo-Maschinen im Intro, dem (publikumsseitig) immer besser funktionierenden „Gott hat ein Problem“ und dem eben angesprochenen „10 Jahre“, gab es dann die große (und ich meine verdammt fette) Geburtstagsgratulation. Das ultimative Ständchen, gesungen von 13.000 heiseren Männer- und Frauenstimmen und eine Band, die sich gegenseitig beglückwünscht, umarmt, lacht, sodass man denken könnte, das Konzert hätte schon geendet, dabei fing es gerade erst mal an.

    Ich kann mich nicht genug über diese Band-Chemie freuen. Das ist eben nicht derselbe Kevin, der er 2004, beim letzten Abriss in der Westfalenhalle, war. Das sind eben nicht dieselben Gonzos und Stephans, die sich umarmen und miteinander ein Gitarren- und Bassduell abfeuern, als ginge es um ihre Seele. Die Bandchemie, die ist mehr als nur gesund. Und das konnte kein Mensch ahnen, auch nicht vor fast exakt drei Jahren, als die Reunion in Frankfurt plötzlich beschlossene Sache war. Seit Oktober 2013 wächst die Harmonie in der Band von Tag zu Tag. Und Stephan brachte all das magische an diesem Umstand in seinen Ansagen zu „Wo auch immer wir stehen“ perfekt auf den Punkt. Dortmund, das ist laut Stephans eigener Aussage immer ein Ort des Wahnsinns – im positivsten aller Onkelz-Sinne. Und wisst ihr was? Gestern war es fast exakt 20 Jahre her, dass die Onkelz ihre zweite und bis heute beste Live CD aufgenommen haben. LIVE IN DORTMUND. Genug gesagt? Ihr kennt und liebt die Platte. Und auch wenn es sich mittlerweile eh tausendfach rumgesprochen hat, hier noch mal: Am Donnerstag und gestrigen Freitag wurde LIVE IN DORTMUND II aufgenommen, um euch im nächsten Jahr eine Live CD vor den Kopf zu knallen, dass euch Hören und Sehen vergehen wird.

    Ich finde, Vergleiche zwischen den beiden Tagen verbieten sich. Das würde irgendwie keiner Show gerecht werden. Wer dabei war, der wird es als heilige Erinnerung mit ins Grab nehmen, und wer es verpasst hat, weil er es verpassen wollte… Tja Kollege, selbst Schuld. Der Augenblick ist vergangen, ist nicht reproduzierbar und ich kann es noch so sehr versuchen, ich werde es nicht schaffen, allen Daheimgeblieben zu erklären, warum die beiden Shows meine (!) bislang besten Onkelz-Konzerte aller Zeiten waren.
    Dennoch will ich es ausprobieren. Also. Wo fangen wir an? Als allererstes bei der Band. Die steht da oben, wegen der seid ihr da, wegen diesen vier Jungs reist ihr kreuz und quer durch die Republik, besucht alle Konzerte (schöne Grüße an Jacky!), und singt, tanzt, verausgabt euch, selbst wenn der Körper spätestens nach der vierten Show in fünf Tagen völlig ausgezehrt ist, keinen Rock`n`Roll mehr will, aber von euch gnadenlos mit Rock`n`Roll gefüttert wird, bis ihr kurz vor`m Kollaps steht.

    Die Band ist eine verschworene Gang, ein Bund, und es macht einfach alleine schon tierischen Spaß zu beobachten, wie aus W, G, P und K, sobald die Vier auf die Bühne kommen, DIE ONKELZ werden. Irgendwann, in einem früheren Interview, sagte Stephan mal sinngemäß folgendes: Man kann die Magie und Chemie, die zwischen uns herrscht, nicht beschreiben. Das entwickelt sich, sobald wir in einem Proberaum zusammen jammen, oder eine Bühne betreten. Das ist für das Auge unsichtbar, gefühlt werden kann es aber.“ Und genau so isses. Jeder spürt diese Elektrizität. Diese statische Aufladung, diese Spannung, die in der Luft liegt, kurz nachdem das Hallenlicht ausgeknipst wird und sich die Härchen auf den Armen von ganz alleine hochstellen, fast so, als gäbe ihnen die plötzliche Dunkelheit und das Knistern in der Luft; diese gottverdammte Vorfreude auf das Konzert, einen heimlichen Befehl, sich endlich aufzurichten. Man kann sich nicht dagegen wehren. Just beim Schreiben dieser Zeilen passiert es wieder. Flashback… Memento mal… Zurück in die Wirklichkeit; wir sind noch nicht am Schluss angelangt. Die Band haben wir gewürdigt, und das zurecht. Über euch von gestern müssen wir noch kurz reden.

    Zwei Stunden sind eine lange Zeit. Hast du schon mal zwei Stunden im Stau gestanden oder zwei Stunden im Wartezimmer beim Zahnarzt gesessen? Scheiße, das kann eine halbe Ewigkeit sein. Zwei Stunden in Dortmund allerdings, während derer die Onkelz das Zepter übernehmen, sind der beste Beweis für Einsteins Relativitätstheorie. Ehrlich, ich war eine Niete in Mathematik (Marco und Candy gehen sogar so weit und behaupten immer frech, ich müsste mit den Fingern zählen, was aber entschieden nicht der Wahrheit entspricht!) und in Physik erstrecht, aber auch ich verstehe, dass Zeit einfach überhaupt keine verfluchte Rolle spielt, wenn die Onkelz im Pott rocken, sondern dass alle Wut, alles Angekotztsein, alle festgesetzte Angst und alles Abgefuckte einer jeden Seele in einer einzigen Katharsis-Blase verschluckt werden. Was danach aus jedem Einzelnen wird, ist für den Moment egal. Das Kollektiv entscheidet für 120 Minuten, reguliert und übernimmt die Kontrolle über Körper, Geist und Seele. Und ihr wart als Kollektiv gestern eine Wucht.

    Ich glaube, ich picke mir für heute mal den Zugabenteil heraus. Und der fing nicht erst an, als Gonzo zu „Wir ham`noch lange nicht genug“ anstimmte, sondern schon während des Moments, als die Onkelz nach „Auf gute Freunde“ die Bühne verließen. Was sich dann im Publikum abgespielt hat, im Innenraum, auf der linken Tribüne, der recht Tribüne, über und unter uns, das ist einfach unfassbar gewesen. Heult bitte nicht rum, weil ich gerade schon wieder in fast obszöner Weise Superlative strapaziere, aber ich kann es einfach immer noch nicht glauben, Zeuge dessen gewesen zu sein. Tausende, die auf die Bande klatschen und dabei ein rhythmisches „HEY, HEY, HEY“ heraufbeschwören, ähnlich der Anfeuerungen der isländischen Mannschaft bei der Euro 2016. Spotlight auf unseren Gonzo, und dann die völlige Enthemmung und Entfesselung bei „W.H.N.L.N.G.“. Ab da war mir klar: Dortmund II hat sich getreckt. Und wie es sich gestreckt hat. Mit Armen und Beinen habt ihr gestern alles gegeben, habt um euer Leben getanzt und um eure Seele gesungen, und es hat gereicht. Ab dem Titeltrack von 1991 war sofort ersichtlich, dass die vielen tausend neuen Fans an diesem Abend nicht als zweite Sieger vom Platz gehen wollten. Das Finale gestern Abend; das war der denkwürdigste Zugabenteil aller Onkelz-Shows, die ich in meinem Leben bislang gesehen habe. Punkt.

    Gonzo erwähnt ebenfalls noch kurz vor Schluss, vor „Erinnerungen“, den Geburtstag der Band, Kevin ergänzt um ein amüsiertes: „Auf die nächsten 36!“ und Stephan lacht, greift sich das Mikro und ergänzt für sich ebenfalls: „Gut, dann sehen wir uns ja alle bei der DEMENTO-Tour wieder.“ Großes Gelächter auf der Bühne und bei euch. Selbstironie ist ebenfalls eine der großen Stärken dieser Band. Hier geht eben niemand zum Lachen in den Keller, auch wenn das gerne immer noch so seitens der Presse kolportiert wird.

    Dann das allabendliche Ritual, es geht nicht ohne. Ohne ein Dankeschön an Stephan Weiler, dem langjährigen Keyboarder der Band. Der Mann lebt ebenfalls jede Note, die er spielt. An Beasto Blanco, die einen verdammt guten Job als Anheizer abgeben. Die Crew, die es von Show zu Show schafft, dass die Bühne kein Flickwerk, sondern ein fettes, High-Tech-Ufo ist und all denen, die im Hintergrund helfen und rackern. Als Stephan dann „Erinnerungen“ ansagt sieht man ihm an, dass diese zwei Abende in der Hauptschlagader der musikalischen Unterhaltung des Ruhrgebiets ihm noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Diese Zufriedenheit kann man nicht künsteln oder spielen. Das war große Euphorie im Gesicht dieses Mannes, der sich diebisch auf diese Abende gefreut hat. So wie es auch Gonzo, Kevin und Pe taten. So, wie es jeder von euch gemacht hat. Ganz egal, ob er von Schalke, aus Dortmund, Mülheim, Bottrop, Duisburg oder aus Hintertupfingen kam.

    Besten Dank. Besten Dank für insgesamt vier Stunden an zwei Tagen, die sich anfühlten, wie vier Minuten. Ich möchte behaupten, dass diese beiden Dortmund-Shows Meilensteine im neuen Leben der Onkelz werden.
    Und ebenfalls ein Danke an die lieben Menschen, die ich an diesen zwei Tagen in meiner Heimat sehen durfte.

    Kleiner Nachtrag von Marco:
    Eine Anekdote sei uns abschließend noch gegönnt. Überwältigt von diesen Emotionen im Ruhrpott-Rondell der Westfalenhalle haben wir gestern während der Show kurzerhand entschlossen, einen Live-Stream von Mexico auf unserer Facebook-Seite zu zeigen. Eigentlich hatten wir nicht vor das Thema zu überstrapazieren, aber wir konnten es uns einfach nicht verkneifen, diese Stimmung und Emotionen auf eure Smartphones zu bringen. Und ja, es ist uns klar, dass das immer noch nicht das Gefühl in der Halle ersetzt, aber es ist zumindest etwas mehr als das geschriebene Wort. Aber wo ist denn jetzt die Anekdote? Achja, stimmt: Wir hatten bei unserem Live-Stream in weniger als einer Minute mehr als 5.500 Live-Betrachter. Wie viel das eigentlich ist wird deutlich, wenn wir uns die 2 Stunden zuvor stattgefundene Live-Übertragung der Jahreshauptversammlung des FC Bayern München ansehen. Die haben mehr als 40 Mio. Fans bei Facebook (wir knapp 870.000) und dennoch während der Wahl von Uli Hoeneß zum Präsidenten lediglich etwas mehr als 3.000 Live-Betrachter. Deshalb Danke auch, dass ihr unsere kühnsten und ambitioniertesten Erwartungen immer wieder um Längen übertrefft!

    Gehabt euch wohl,
    Dennis Diel
    glubberer1989
     
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    5 Minuten ·

    Hinweis zum heutigen Konzert in Stuttgart

    Aufgrund des um 20:15 Uhr stattfindenden Spiels der 2. Bundesliga, zwischen dem VfB Stuttgart und dem 1. FC Nürnberg, kann es rund um die Schleyerhalle zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen. Wir bitten euch daher um rechtzeitige Anreise.

    Bis nachher!

    Euer BO-Team
    böhse seit 00?!
    Hannoi 04
    ESW LR 05, I+II, Band 2654 Tage an
    FFM 07, 27 Jahre BÖHSE
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)

    6 Min

    Hallo zusammen,
    wir werden am 01.12.2016, vor der Show in Wien, einen Live-Stream hier auf unserem Profil mit der Band machen. Ein kleiner Plausch zum Bergfest der Tour, den ihr mit Fragen füllen könnt. Diese könnt ihr hier in den Kommentaren hinterlassen.
    Wichtig: Bitte überlegt euch jeweils nur eine Frage, sodass es eine gewisse Chancengleichheit für alle gibt. Wir werden nach dem Zufallsprinzip ein paar Fragen aussuchen, die wir dann der Band live stellen werden.
    Wann wir live sein werden, erfahrt ihr zeitnah in diesem Posting.

    Euer BO-Team
    Chrsp82
     
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  • 28.11.2016 – Stuttgart II
    Stuttgart, habe ich mich allen Ernstes dazu hinreißen lassen, mich der typischen Klischees zu bedienen, die man sich über euch Schwaben erzählt? Ihr wärt „zurückhaltend“, „vorsichtig“, „abwartend“, ein kleines Hochziehen eines Mundwinkels könne man getrost als Emotionsexplosion werten? Alles Quatsch und Schnee von gestern! Ich korrigiere: Ihr seid der Wahnsinn! Das war großes Kino, Stuttgart!
    Wir schreiben das 7. Konzert von 20 der Tour 2016. Mittlerweile sind die Kanten der Produktion weitestgehend abgeschliffen und jeder weiß, was er zu tun hat. Wir haben uns wahrhaftig eingelebt und wachsen zusammen. Das Zusammenspiel aller Gewerke ist unabdingbar für einen reibungslosen Ablauf und so bildet sich Abend für Abend mehr eine verschworene Einheit, die euch in jeder Stadt ein unvergessliches Konzerterlebnis ermöglichen will. Ich werde diejenigen, die ihr zwar überwiegend nicht in persona seht, deren hervorragende Arbeit aber ein Onkelzkonzert erst möglich macht, in meinem Bericht in Wien ausführlicher beleuchten.
    Was sich ebenfalls eingestellt hat, ist ein ziemlich treffsicheres Gespür dafür, ob in der jeweiligen Stadt was geht. Als Christian und ich uns heute den Einlass am zweiten Tag in Stuttgart ansehen, da spüren wir schon: Hier geht was. Da war ein intensiveres Knistern in der Luft, eine andere Atmosphäre, als an Tag I. Irgendwie lebhafter und positiver gestimmt. Bereit, heute nochmal richtig auf die Tube zu drücken und jeden Zweifel aus den Weg zu räumen, dass Stuttgart auch nach 12 Jahren noch immer ein gutes Pflaster für die Onkelz ist. Der Beweis sollte erbracht werden.
    Bevor das Licht in der Hanns-Martin-Schleyerhalle vorerst das letzte Mal für die Show der Onkelz erlischt, hallt es bereits allerorten „Oh, wie ist das schön!“. Na, wenn das mal keine gute Vorzeichen sind. Ich finde, dass sich „Gott hat ein Problem“ und „10 Jahre“ mittlerweile zu einem amtlichen Opener vereinigt haben, der in der Regel in jeder Stadt innerhalb von Minuten zündet. Spätestens aber bei 10 Jahre brechen regelmäßig alle Dämme der Vernunft und fluten den Innenraum mit Schweiß, Testosteron und Bier. Was Stuttgart heute Abend zu bieten hat, zeigt sich erstmals bei „Finde die Wahrheit“. Mehr als 20.000 Hände strecken sich in Richtung Hallendecke und hören auf das Kommando von Kevin. Dieser führt abermals in bester Form und Stimmung durch den Abend. „Mir macht´s gerade richtig Spaß“, meint Stephan schon zu so früher Stunde. Kein schlechtes Zeichen, denke ich.
    Dass der „Schutzgeist der Scheiße“ immer eine ganz besondere Atmosphäre schafft, hatten wir schon in Dortmund thematisiert. Die Visuals wurden zwischenzeitlich nochmal verbessert, glaub ich zumindest. Jedenfalls sind mir die Wellen, die im Hintergrund auf den riesigen LED-Wänden gezeigt werden, bisher nie so aufgefallen. Das könnte aber auch damit zusammenhängen, dass ich einfach kurzsichtig bin und dieses Mal einfach dichter an der Bühne stand, haha. Jedenfalls schafft das Zusammenspiel aus Licht, Ton und den Visuals für mich den ersten Gänsehautmoment des Abends. Er ist ohne jeden Zweifel in seiner melancholischen Schwere, die durch den treibenden Refrain gebrochen wird, ein echter Geheimtipp auf der Setlist. Jedes Mal ein schönes Bild: Gonzo und Stephan spielen den letzten Ton des Stücks gemeinsam und klatschen miteinander ab. Warum ich das erwähne? Weil ich im Leben nicht daran geglaubt habe, dass es das nochmal jemals geben wird. Die Beiden wahrscheinlich auch nicht.
    „Nur die besten sterben jung“ ist immer sehr intensiv. Egal in welcher Stadt und an welcher Stelle im Set. Das gebietet einfach die Thematik. Das Innehalten und Gedenken derer, die viel zu jung von uns gegangen sind, ist ein fester Bestandteil der Onkelztherapie und per se schmerzhaft. Heute erscheint mir allerdings alles noch einmal intensiver. Gestern wäre Mark Spoon, langjähriger und sehr enger Freund der Band, 50 Jahre alt geworden. Stephan und Gonzo schließen immer wieder die Augen. Kevin zeigt und schaut in Richtung Himmel. Allen scheint es heute ganz besonders schwer zu fallen, den Song zu spielen. Auch so etwas, was die Onkelz zu etwas Besonderem macht: Sie singen nicht von abstrakten Themen, die sie nie selbst erlebt haben. Mehr noch, sie therapieren sich ein stückweit mit ihren eigenen Songs.
    Für mich weiterhin leider etwas unbeachtet ist „Jeder kriegt was er verdient“. Die Oktavierung der Stimmen in Refrain ist einfach großartig und extrem anstrengend zu singen. Inhaltlich ansonsten eigentlich eine typische Onkelznummer, mit der offenbar aber noch nicht jeder warm geworden ist, analog zu 52 Wochen. Mich beruhigt aber die Gewissheit, dass das 2000 bei „Dunkler Ort“ ebenfalls der Fall war und der wird direkt im Anschluss frenetisch abgefeiert. Ich muss wahrscheinlich einfach noch etwas Geduld haben, schließlich war ich von 52 Wochen anfangs auch eher semi-begeistert. Mittlerweile aber eine meiner absoluten Lieblingsnummern der neuen Songs im Set.
    „Bomberpilot“ geht live einfach immer. Auch so ein Song, der durch das Licht und die Visuals auf den LED-Leinwänden zum Leben erweckt wird und nichts von seiner Aktualität verloren hat. Auch 29 Jahre nach Erscheinen des Songs gibt es nach wie vor Menschen, die denken, dass sich Krieg mit Krieg bekämpfen lässt, dass Bomben und Waffen irgendein Problem dieser Welt lösen können. Kevin verpasst übrigens fast seinen Einsatz zur ersten Strophe, was Stephan mit einem breiten Grinsen zur Kenntnis nimmt. Sicher auch etwas, was die Band 2016 ausmacht: Gelassenheit. Ein Onkelzkonzert zeichnet sich nämlich nicht durch perfekt gespielte Basslinien, oder höchste Textsicherheit aus, sondern durch die Energie und Stimmung der Musik insgesamt.
    Stimmungsvoll und emotional wird es abermals bei „Wo auch immer wir stehen“. Diese Nummer geht mir einfach jedes Mal durch Mark und Bein und berührt mich zutiefst. Deshalb kann ich sie auch nicht unerwähnt lassen. „Nach all den Jahren, wie auch immer sie waren“. Schwer waren sie, antwortet mein Unterbewusstsein. Der Song nimmt mich mit auf eine Zeitreise der letzten Jahre. Abend für Abend. Jeder trägt sein eigenen Rucksack voller Schicksal mit sich herum, nur das Gewicht ist immer individuell. „Und ist das Leben noch so hart, wir sind füreinander da“. Ich erwische mich selbst dabei, wie ich die Zeilen als mein Mantra in den Nachthimmel singe und hoffe, dass sie bis nach Berlin getragen werden. Dass jemand für uns da ist, ist etwas, so glaube ich, was tief in unseren Bedürfnissen verankert ist. Wir alle sehnen uns danach und brauchen diesen „Anker im Hier“. Deshalb sind die Onkelz auch mehr als nur eine Band, die Musik macht. Ihre Musik ist die Antwort auf viele Fragen, die uns das Leben stellt.
    Ein Stück, welches uns bisher in jeder Stadt beste Laune bereitet hat, ist „Auf gute Freunde“. Gonzo, der die Menge vorab anheizt und der Zwischenpart, wo nur die Halle singt, sind großartige Momente. Großartig geht es von dort in den Zugabenblock, der mit „Wir ham´noch lange nicht genug“, „Kirche“ und „Mexico“ drei echte Schwergewichte der Onkelz-Diskografie beinhaltet und die Schleyerhalle endgültig in ein pogendes Allerlei verwandelt, welches sich bei „Erinnerungen“ gemeinsam singend in den Armen liegt und in die kalte Nacht entlassen wird.
    Damit schließen wir das Kapitel Stuttgart. Es zeigt sich einmal mehr, dass – entgegen der verbreiteten Meinung – ein zweiter Teil den ersten doch noch toppen kann.
    „Es war ein außergewöhnlich geiles Konzert hier in Stuttgart“, meint Stephan und dem ist nichts mehr hinzuzufügen.
    Danke und gute Nacht!
    Adele,
    Marco Matthes
    glubberer1989
     
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)

    Wichtig: Den für heute geplanten Live-Stream müssen wir aus technischen Gründen leider verschieben. Wir werden hier bekannt geben, wann wir den Live-Stream nachholen werden. // Marco Matthes
    7 · 10 Min
    Chrsp82
     
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  • Böhse Onkelz (Offiziell)
    20 Minuten ·

    01.12.2016 – Wien

    Als am 31.08.2004 mit „A.D.I.O.Z.“ die letzten Noten der Onkelz in der Arena Nova, Wiener Neustadt, verhallt waren, hatte wohl niemand ernsthaft daran geglaubt, dass es über 12 Jahre später ein Wiedersehen mit der Band geben würde. Es bedurfte schon sehr viel Fantasie und eine gute Prise Onkelzmanie, um vorherzusehen, was heute Abend Realität wurde: Die Onkelz sind in der Stadt!

    Thees Uhlmann sagte einmal in einem Interview 2013 mit der Kronen-Zeitung: „Berlin will was, und Wien ist was“. Das trifft es ziemlich gut, denn nicht nur ich bin von den Eindrücken der Stadt und den Menschen, die sie beleben, schwer beeindruckt. Wir kommen mit dem Nighliner schon am Dienstagnachmittag in Wien an und nutzen den verbleibenden Abend für einen ersten Spaziergang durch die Stadt. Die Band folgt uns einen Tag später. Als die Sonne hinter den Altbauten Wiens verschwindet, weht uns ein deutlich eisigerer Wind entgegen, als das noch beim Einsteigen in den Bus in Stuttgart der Fall war. Gut, dass ich meine Mütze im Zimmer gelassen und meine Winterjacke schon in Frankfurt im Hotel vergessen habe, denke ich. Nach gefühlten 57 Kilometern, die in Wirklichkeit nur 3 Kilometer waren, treffen wir uns mit Stefan Weiler, dem euch bekannten Keyboarder der Band. Es treibt uns auf einen kleinen Weihnachtsmarkt der TU Wien, wo wir zum ersten Mal so ein bisschen Flair der Stadt atmen können. Kleine Stände mit Studenten, bunt durchmischt mit allen gesellschaftlichen Schichten, vereint am Glühweinstand. Hier offenbart sich ein erster Unterschied zu Berlin: Der Berliner ist gern unter sich, sucht seinesgleichen, in seinem Bezirk. Der ursprüngliche Charme vieler Stadtteile, ist leider dem neuen „Chic“ und dem „Szene-Kiez“ gewichen. Wien wirkt auf mich, auf den ersten Blick, durchmischter, interessanter vom Stadtbild und insgesamt irgendwie persönlicher. Wir beschließen, den kommenden Off-Day für einen erneuten Spaziergang durch Wien zu nutzen.

    Mehr als 15 Kilometer legen wir (Christian unser Fotograf, Micha der Backliner vom Gonzo und ich) zurück. Chris, der Backliner vom Stephan, ist leider nach der erweiterten Kneipentour vom Vorabend mit Stephan Weiler noch „verhindert“ und muss passen. Unser Weg führt uns durch enge Gasse, die den Charme von Venedig versprühen und Fußgängerzonen, die an die Frankfurter Zeil, oder dem Kurfürstendamm erinnern. Was ich sehr sympathisch finde, sind die kleinen Läden, die noch nicht von großen Ketten verdrängt wurden. Fachhandel, der auf Vertrauen und Beratung fußt und nicht vordergründig der Gewinnmaximierung großer Konzerne dient. Wo gibt es denn noch die kleinen Fotoläden, Modelleisenbahnfachhandel, oder kleine Boutiquen, die den H&M´s dieser Welt trotzen können? Alles weicht der globalisierenden Welt, die Monopole großer Einkaufsketten werden immer größer, der Fachhandel mit bester Beratung muss weichen. Alles kein Geheimnis und jeden Tag objektivierbar. In Wien, so erscheint es mir, ist eine gesunde Mischung zwischen Konzern und Fachhandel gefunden, sodass jeder für sich entscheiden kann, wen er unterstützen möchte. Bevor mein Bericht jetzt aber zu einer Hommage an Wien entartet, möchte ich mein Versprechen einlösen und euch einen ersten kleinen Einblick hinter die Kulissen der Produktion geben.

    Die so genannte „Travel-Party“, also die feste Crew, umfasst knapp 150 Leute und fährt mit insgesamt 6 Nightlinern. Da hätten wir zum Beispiel die Tourcrew, die aus knapp 80 Personen besteht, die Security, die zwei feste Security für die Band beinhaltet und jeweils auf lokale Kräfte zurückgreift, die Caterer, die mit acht festen Leuten und lokalen Kräften arbeiten, die Mercher, die mit 15 Leuten und eigenem Nightliner unterwegs sind, die Busfahrer, die zu sechst uns von A nach B bringen, die Trucker, die mit 27 Leuten und 25 Sattenschleppern die komplette Technik bewegen und die Kameraleute, die mit 5 festen Leuten jeden Moment der Tour festhalten. Die Merch-Crew bewegt übrigens von Stadt zu Stadt insgesamt 80 Tonnen Merchandise!

    Ich hab mir mal von Jochen Auer, der das Catering auf der Tour macht, eine kleine Einkaufsliste geben lassen, was die Produktion pro Stadt (!) an Lebensmitteln ordert:
    Da hätten wir zum Beispiel ca. 70 Kilo Fleisch, 30 Kilo Gemüse, etwa 1.000 Getränke (ca. 500 Liter), ca. 40 Liter Milch, 350 Eier und etwa 40 Kilo Kartoffeln. An genügend Möglichkeiten zur Stärkung mangelt es uns also nicht. Das ist aber auch nötig, denn die ersten Teile der Crew werden bereits um 2:30 Uhr vom Hotel abgeholt und beginnen gegen 3 Uhr mit dem Aufbau der Bühne. Alles minutiös geplant und durchgetaktet. Die Produktionsleitung hat „Hossi“ Loll und damit die volle Verantwortung, dass jeden Abend die Bühne pünktlich steht und der Zeitplan eingehalten wird. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Flankiert wird er von Calvin und Eileen, als Produktionsassistenten, sowie von Eric Schumacher, der die technische Leitung innehat. Eileen ist die gute Fee der Produktion, die im Minutentakt von allen Seiten verschiedenste Fragen beantworten muss. Nebenbei verbraucht sie pro Showabend etwa 500 Blatt Papier und mindestens eine Druckerpatrone, was nicht unwesentlich damit zusammenhängt, dass uns unsere Beschilderung, die z. B. den Friendsbereich ausschildert, jeden Abend „abhanden“ kommt und deshalb pro Stadt jedes Mal neu gedruckt werden muss.

    Auch in Wien greifen alle Gewerke nahtlos ineinander, sodass der Einlass pünktlich um 18:30 Uhr beginnen kann. Es hat sich mittlerweile als Ritual gefestigt, dass Christian und ich etwa 10 Minuten vor Einlass zum Eingang gehen, um einen ersten Eindruck der Stimmung zu bekommen. Trotz starkem Wind und eisiger Kälte verharren die ersten Fans schon seit 12 Uhr (!) mittags vor der Halle. Der Vorplatz füllt sich nun zusehends und die ersten Chöre werden angestimmt. Man kann die Vorfreude der Leute deutlich in ihren Augen ablesen. Das verspricht eine gelungene Rückkehr nach Österreich zu werden, lege ich mich früh fest.

    Die Wiener Stadthalle, ist wie ich finde, neben der Frankfurter Festhalle, die bisher schönste Halle der Tour. Sofern man Tonnen aus Stahl mit meterhohen Tribünen überhaupt mit „schön“ assoziieren kann. Insbesondere nach dem Konzert, wenn der Innenraum einen Schlachtfeld gleicht. Laut Webseite der Halle passen hier etwa 16.000 Menschen hinein. Damit ist sie nicht nur die größte Halle Österreichs, sondern zählt auch zu den größten Hallen der Tour. Besonders imposant sind die extrem hohen und steilen Ränge, links und rechts neben der Bühne. Hier hat bereits alles gespielt, was im Musikbusiness Rang und Namen (verdient) hat, wie eine riesige Tafel am Einlass zeigt.

    Überall an den Eingängen stehen hilfsbereite, freundliche Damen und Herren, die jedem Onkelzfan auf der Tribüne seinen Platz zeigen. Und sitzt mal jemand falsch, wird getreu dem Motto „Ois hoib so wüd“, auch der Letzte auf die Ränge verteilt. Alle da? Dann kann es ja jetzt losgehen!

    „Oh, wie ist das schön, Oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön!“ – Wer bereits so nach mehr als 12 Jahren Abstinenz begrüßt wird, ohne eine einzige Note gespielt zu haben, der kann mit Fug und Recht behaupten, die geilsten Fans der Welt zu haben. Apropos, die geilsten Fans: Ein Wiedersehen der besonderen Art erleben heute auch Jorie und Elizabeth, die extra aus Chicago und Kalifornien angereist sind, um die Onkelz wiederzusehen, deren Musik sie bereits seit Jahrzehnten hören. Was dann folgt, knüpft nahtlos daran an, wo wir in Stuttgart II aufgehört haben. Die „alten Schinken“, wie Stephan sie nennt, zünden ohne Vorwarnung: „10 Jahre“, „Nie wieder“ und „Gehasst, verdammt, vergöttert“ lösen direkt ein mittelschweres Beben in der Stadthalle aus. Fast 30.000 Hände finden gemeinsam die Wahrheit und obwohl Stephan heute gesundheitlich angeschlagen ist, tut das der Spielfreude der Band insgesamt keinen Abbruch. Kevin kompensiert die teils fehlenden Backings mit bester Stimme und kann das hohe Niveau bis zum Schluss halten. Unterstützt wird er von den feiernden Neffen und Nichten, die getreu dem Motto „Des letzte Hemd hot kane Sackln“ zwei Stunden Vollgas geben. Vollgas gibt auch Pe, der die Basedrum so heftig malträtiert, dass das Mikro für die Abnahme kurzeitig ausfällt. Die Band nimmt es mit Humor und Gonzo überbrückt die Zeit der Reparatur mit Anekdoten vom legendären „Live in Vienna“ 1991. Stephan ergänzt, dass er damals mit Auge zusammen ins Publikum gesprungen ist, um ein paar Nazis aus der Halle zu werfen.

    Bei der Ansage zu „Wo auch immer wir stehen“, die Stephan bei jedem Konzert mit voller Überzeugung und Demut macht, gibt es nach Stuttgart erneut „Kevin, Kevin“ Sprechchöre. Dieser ist abermals sichtlich beeindruckt und gerührt. Kevins zweites Leben war die Basis für die Reunion der Onkelz. Die Band empfindet es jeden Abend aufs Neue als großes Geschenk, dass sie nach so vielen Jahren immer noch mit offenen Armen in jeder Stadt empfangen wird. Auch das dürfte es weltweit noch nicht so häufig gegeben haben. Spätestens im Zugabenblock hält es niemanden mehr sitzend auf den Rängen und Wien feiert gemeinsam ausgelassen zu „Mexico“ und „Erinnerungen“. Damit endet ein mehr als gelungenes Wiedersehen in Österreichs schöner Hauptstadt. Nach nur 5 Stunden Abbau ist die Halle komplett geräumt und die Sattelschlepper machen sich auf den Weg nach Zürich, wo am Sonntag das Bergfest der Tour gefeiert wird.
    Stephan: „Wir brauchen nur euch und uns. Die Anderen da draußen können uns am Arsch lecken“. Was er damit meint, liegt auf der Hand: Es bedarf nur die Band und euch, um die Onkelz leben zu lassen. Kein Radio, kein TV, keine akkreditierten Journalisten, all das haben wir nie gebraucht und werden wir nie brauchen.
    Servas,

    Marco Matthes

    Fotocredis: http://www.christianthiele.de
    Böhse Onkelz Tour 2016 - Wien
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    09.05.2000 - Erfurt
    30.06.2001 - Berlin
    05.06.2002 - Dresden
    28.09.2004 - Riesa
    17.06.2005 - Lausitzring
    18.06.2005 - Lausitzring
    20.06.2014 - Hockenheimring
    19.06.2015 - Hockenheimring
    10.12.2016 - Leipzig
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