Flüchtlingshilfe

Jetzt seid Ihr dran! Gibt es eine besondere Geschichte, die euch zu uns geführt hat? Was haben wir aus Eurem Leben gemacht, wie und was habt ihr von uns gelernt? Eine Geschichte, die bewegt oder aufrüttelt? Eine, die Mut macht? Es gibt so viel. Erzählt uns von Euch.
6. Feb 2014, 02:53


  • Ich habe mir gestern noch die Sendung "Auf der Flucht" mit Stephan angesehen und gerade beim Gedanken an ein anderes TV-Format über Flüchtlinge, fand ich den Beitrag besonders schlimm. Vielleicht kennt manch einer die 7 Tage.... Serie aus dem NDR? Dort gab es auch mal 7 Tage ... unter Flüchtlingen, wo wirklich deren Leben und Geschichten im Vordergrund standen und zudem die Sendung nicht künstlich aufgebauscht wurde.
    Und dennoch gibt es Moderationen Kommentare, etc. und das alles in nur 30 Minuten, ich ich viel aussagekräftiger finde als "Auf der Flucht".
    (Zwar ist mir bewusst, dass es vermutlich keine Folge 7 Tage... unter Böhsen Onkelz geben wird (wobei so etwas wie 7 Tage Konzerttour oder ähnlich schon denkbar wäre)).

    Nun las ich danach in Stephans Blog :"Bei aller berechtigten Kritik und meiner Wut darüber, ein wichtiges Thema an die Wand gefahren zu haben, hat dieser Trip ein versöhnliches Ende. Für mich fängt diese Reise gerade erst an. Der Kreis schließt sich erst dann, wenn ich dieser Erfahrung Taten folgen lasse. Menschen auf der Flucht, brauchen unsere Hilfe und unseren Schutz, dafür werde ich mich zukünftig verstärkt einsetzen."

    In mir kommt wieder die Frage auf, wie man das macht? Wo setzt man an? Was ist "richtig"?
    Das fragte ich mich bereits letztes Jahr als auf dem Münchner Rindermarkt Flüchtlinge in den trockenen Hungerstreik traten. Erschreckend waren die "Diskussionen" drumherum. Ich hatte oft den Eindruck, dass die Polizei weniger für die Flüchtlinge benötigt wurde, sondern eher für die "Zuschauer" (wobei es außer Planen nichts zu schauen gab) drumherum. Engagierte Unterstützter sammelten Spenden, verteilten die Message der Refugees und versuchten später die Räumung zu verhindern. Auf der anderen Seite Kommentare von Passanten, oft wenig positiv, diskussionsfreudigen Rentnern, die gelernt haben zuerst auf sich selbst zu schauen und Anfeindungen unter Einheimischen, teilweise lautstark.
    Einige Zeit später ein Asylbewerber, der einen Kran als Verhandlungsort wählte. Pure Verzweiflung von Menschen mitten in deutschen Großstädten.
    Im Netz findet man Videos von Rostock-Lichtenhagen mit den Meinungen der Brandtsifter und Symphatisanten von damals. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sich bei manchen bis heute nichts verändert hat. Vielleicht wäre die Polizei heute schneller und einsatzstärker vor Ort.....
    Kürzlich las ich in einer Facebook-Diskussion auf die Frage, wer im Sommer mit nach Lampedusa zum Tauchen möchte, den folgenden Kommentar: "Ersoffene Assis-.-äh Asylbewerber vom Meeresgrund einsammeln?".

    Ist dies der Ansatzpunkt? Sollte man zuerst seine eigenen Landsleute überzeugen, dass ihre Ansichten scheiße sind? Wäre damit irgendwem geholfen?
    Oder sollte man politisch ansetzen und sich für die Rechte von Flüchtlingen einsetzen?
    Oder gar in der Politik der Heimatländer der Refugees?
    Wie setzt man sich ein? Mit Spenden? Mit Hilfeleistungen? Essen verteilen und Kleiderspenden sortieren in Flüchtlingsheimen?

    Ich würde gerne wissen, was Stephan meinte, doch weiß natürlich, dass eine Antwort hier vermutlich auf sich warten lässt. Also interessieren mich eure Meinungen? Was kann man tun? Was ist richtig, was ist falsch?

    @Mods Es wäre schon wenn der Beitrag nicht wieder spurlos verschwindet. Wenn euch was nicht passt, macht euch doch zumindest die Mühe kurz Bescheid zu geben.
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6. Feb 2014, 15:37


  • also ich denke am allerwichtigsten ist aufklärungsarbeit vor unseren eigen landsleuten. klar wird es immer dumme geben, wie die von der lampedusa tauch-diskussion. ich habe an mich den ethisch-philosophischen anspruch jedem menschen erstmal vorurteilsfrei entgegen zugehen (nazis oder so sind mal ne ausnahme). das klappt nicht immer und nicht überall, das gebe ich zu.

    meiner meinung nach ist es verdammt wichtig den menschen die hier leben einfach mal die situation derer klar zu machen, die als flüchtlinge herkommen und wie sie hier leben. das problem ist glaube ich der lebensstandart den wir gewohnt sind. wie heißt es in dem schönen lied von fahnenflucht 'ich mach mir sorgen ob das gras wohl noch bis morgen reicht und mein nachbar macht sich sorgen weil er nichts mehr von zu hause hört'.

    man kann nicht jeden überzeugen der hier lebt die augen zu öffnen. dafür sind die deutschen glaube ich einfach nicht konditioniert worden in den letzten 65 jahren. doch wenn man mal damit angefangen hat und auch nur ein kleiner teil wahrnimmt wie es hier um unterbringung und dergleichen steht, dann lässt sich das wahrscheinlich auch ausweiten. doch der erste schritt ist die aufklärung derer die hier leben. bzw nicht nur hier sondern auch in den anderen ländern in denen z.b. lampedusa flüchtlinge aufgenommen werden.
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6. Feb 2014, 16:23


  • Danke für deine Antwort.

    Zu dem Lampedusa-Kommentar gabs (glücklicherweise) keine weitere Diskussion. Irgendwer schrieb, das sollte gelöscht werden und die Inhaber des Facebook-Profil kommentierten, dass sie bewusste nicht gelöscht haben, jedoch nicht darüber diskutieren werden, ob es pietätslos ist, zum Beispiel an Wracks zu tauchen, wo fast immer Menschen gestorben sind. Und dies wird weltweit gemacht. Ich denke auch nicht, dass man jemanden mit einer solcher Meinung von Lampedusa als Tauchgebiet (was sehr schön sein soll) überzeugen kann und dafür ist mir auch meine Zeit zu schade. "Hilfreicher" wäre es da wohl noch für den Tourismus in Lampedusa zu werben, denn die Mednschen drot leben von Touristen.

    Ebenso hatte ich (als Beobachterin) der Situation am Rindermarkt in München (musste dort täglich vorbei) nicht das Gefühl, dass man dort wen von seiner Meinung überzeugen kann. Das es jemanden schlecht geht, wenn er sich lieber unter eine Plane legt und die Lebensmittelaufnahme einstellt, als in sein Land zurück zu gehen, muss ich glaube ich niemanden erklären. Zumal es dort nicht die typischen Rechten waren, sondern eher Rentner mit der Meinung "früher hätte es so etwas nicht gegeben" und "die sind doch selbst schuld, was erwarten sie denn?".

    Ich hatte mal einen Bekannten der neben einem (sogar äußerlich recht hübschen) Flüchtlingsheim lebte. Der hätte alles dafür getan, dass die "wegkommen", vor allem als ihm Gegner ein Hakenkreuz ans gebäude schmierten (weil sie nicht checkten, dass der Zaun das Ende des Flüchtlingsgrundstück bedeutet und das Firmenschild nebenan auf ein unbeteiligtes Kleinunternehmen hindeutet) und er eine zeitliche Auflage bekam, dies zu entfernen. Mit "hey schau mal denen gehts schlecht und wenn sie mal ihren Schlüssel vergessen und eine Leiter leihen wollen, dann hilf ihnen doch" kam man da nicht weiter. Zumal ihm die Stadt auch dieses untersagte.

    Auch bei Reportagen über Flüchtlingsheime fiel mir oft auf, dass es bei manchen eher das gegenteil bewirkt. In der "Auf der Flucht" Diskussion über Handys und Spielzeuge zum Beispiel. In anderen Beiträgen wurde gezeigt, dass sie ein Startpaket bekommen und ein Zimmer mit Kühlschrank gestellt bekommen. Da gibts Leute, die wirklich meinen "ich dachte denen gehts nur um Sicherheit, dafür brauchen sie keinen Kühlschrank".
    Es gibt natürlich Länder wo Flüchtlinge schlechter untergebracht sind als in Deutschland. Und auch in Deutschland sind die Unterbringungen ja sehr unterschiedlich. Allerdings denke ich nicht, dass die tollste Unterbringung etwas ändert. Habe mal was über Flüchtlinge auf Nauru gelesen, die konnten sich frei bewegen, es waren zeitweise nur noch sehr wenige, die die komplette Unterkunft für sich hatten und Nauru hat ein friedliches Volk. Und dennoch waren sie total genervt, dass man sie nach Nauru verfrachtet hat.
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6. Feb 2014, 17:18


  • ich kann verstehen was du sagst, ich hatte hier in hamburg mal ne zeitlang mit ein paar flüchtlingen zu tun und kann deshalb auch deren unterbringung hier bewerten und die ist wirklich nicht sehr schön, sondern eher an der grenze zu menschenunwürdig.
    auch hier waren es nicht die klassischen rechten die "ärger" gemacht haben sondern, wie du auch sagtest, eher das gemeine volk insbesondere die rentner. es gibt hier so eine art infostand über die lampedusa leute und mein highlight war ein älterer herr welcher der meinung war dass die alle weg müssen, schließlich bekäme er durch ihre anwesenheit weniger rente....

    klar kann ich niemandem meine meinung aufzwingen, das möchte ich auch nicht. was ich mir wünsche ist einfach eine gewisse offenheit gegenüber anderen schicksalen. wenn jeder zehnte all dieser ablehner und skeptiker einfach mit offenen augen durchs leben ginge, wäre glaube ich schon viel getan.

    andererseits gibt es aber auch eine verantwortung der politik die ich so aber nicht beschreiben kann. oder anders, ich weiß dass sie was tun sollte, aber nicht was. ich glaube durch das vorhandensein diverser privater- oder halb privater wohltätigkeitsorganisationen die regierungen der diversen 'reichen' länder aus der verantwortung zieht mit der begründung dass es schon genug leute gäbe die sich damit beschäftigen und sie nun nicht auch noch da mitmischen müssten.

    aber auch jeder einzelne hat von uns eine verantwortung fürs ganze glaub ich. man muss ja einfach mal schaun, welche umstände zu diesen flüchtlingsströmen führen. klar, bei dingen wie dem syrischen bürgerkrieg hat man nicht viel handhabe. aber wenn mal beleuchtet würde was die umstände der armut sind welcher die menschen z.b. in afrika zu entfliehen versuchen, bestünde zumindest theoretisch die chance dass sich die menschen gedanken machten über ihr eigenes konsumverhalten, das z.t. genau zu dieser armut führt. beispielsweise der landverlust der einfachen bevölkerung durch monokultur und ausbeutung global agierender großkonzerne.

    bitte versteh nicht falsch, ich möchte niemanden zu irgendwas bekehren oder die moralkeule schwingen, doch habe ich mir in den letzten jahren einfach viele gedanken über genau diese dinge gemacht und mir ein paar ethische verhaltensmuster angeeignet.

    zu der sache die du schildertest mit den flüchtlinge auf nauru. ich denke ich als flüchtling wäre von vornherein erstmal immer genervt, weil ich nicht in meiner heimat bin, wahrscheinlich alles nicht so läuft wie ich es mir vorgestellt habe. müsste ich fliehen und man verfrachtet mich an den schönsten karibikstrand, würds mir vielleicht die ersten paar tage ganz gut gehen und dann kommen die probleme, wovon leben? wie lange kann ich bleiben? was ist evtl. mit meiner familie geschehen?

    soviel erstmal dazu bevor hier alles zu nem romanhaften essay für menschlichkeit ausartet ;-)
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6. Feb 2014, 17:39


  • Nach meiner Erfahrung ist das ein aussichtsloses Unterfangen, seine Mitmenschen von der Notsituation der Flüchtlinge überzeugen zu wollen. - Hinter den Ressentiments stecken so vielschichtige und über Jahre bis Jahrzehnte gewachsene Ängste (und leider auch menschenverachtende Selbstgerechtigkeit), dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Leute mit ein paar Gesprächen umzukrempeln.

    "Warum bleiben die nicht in ihrem Land und bauen da was auf?" - Allein hinter dieser landläufigen Ansicht steckt so viel Unwissen, dass man Monate und Bücherregale voll Wissen bräuchte, um den Leuten zu erklären, warum das in unserem Wirtschaftssystem unmöglich ist. Von der Nations- und Staatsfixiertheit dieser Plattitüde ganz zu schweigen.

    Meine Erfahrung, als jemand der seit ca. 10 Jahren politisch aktiv ist, ist die: Das einzige was Refugee-freundlichen Aktivisten zupass kommt, ist die Lethargie und Beliebigkeit, die mit der breiten Ablehnung von Flüchtlingen meistens einher geht. Man kann diese Leute also sozusagen übergehen, indem man sich in politischen Institutionen - Parteien und NGOs - engagiert und aus dieser Einflussposition heraus Fakten schafft. (Mit Konsum irgendwas steuern zu wollen, ist eine vermessene Hoffnung. Konsum ist Teil des auf Wachstum und Profit basierenden Wirtschaftssystems. Man kann mit einem Hammer keinen Nagel aus der Wand ziehen.)

    Wenn man sich entscheidet diesen Schritt zu machen und sich für eine wirksame Verbesserung der europäischen und deutschen Flüchtlingspolitik einzusetzen, dann muss man zuerst mal seine eigenen Ansprüche mit der Wirklichkeit versöhnen und sich damit abfinden, dass Verbesserungen nur in kleinen Schritten und sehr, sehr langsam möglich sind. Dazu kommt, dass in vielen Bereichen die Situation eher die Tendenz hat schlimmer zu werden und der "Erfolg" meines Einsatzes sich oft darin erschöpft, die schlimmsten Ausmaße zu bremsen. - Als nächstes kann man dann mit den vereinten Kräften der jeweiligen Institution beharrlich dafür kämpfen, den nächsten Mini-Schritt Realität werden zu lassen.

    Dazu muss man natürlich erstmal wissen, was denn der nächstmöglich machbare Schritt überhaupt ist und was man denn am besten tun könnte, um dem näher zu kommen. Da ich hier keine Werbung für Parteien machen will, verweise ich dafür gern an Pro Asyl, bei denen ich selbst langjähriges Mitglied bin. Dort sind das nötige Wissen, die politische Vernetzung und die richtigen Kampagnen aufeinander abgestimmt. Kurz gesagt: Da geht was!

    Sorry, dass ich mich hier als Mod thematisch äußere, aber ich muss zugeben, dass mir das Thema ähnlich wichtig ist, wie offenbar dem W auch. Werde mich ab jetzt raushalten, versprochen.
    Bastian
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6. Feb 2014, 18:10


  • Bastian hat geschrieben:Nach meiner Erfahrung ist das ein aussichtsloses Unterfangen, seine Mitmenschen von der Notsituation der Flüchtlinge überzeugen zu wollen. - Hinter den Ressentiments stecken so vielschichtige und über Jahre bis Jahrzehnte gewachsene Ängste (und leider auch menschenverachtende Selbstgerechtigkeit), dass es ein Ding der Unmöglichkeit ist, die Leute mit ein paar Gesprächen umzukrempeln. [...]


    das ist natürlich ganz richtig. kein mensch der so gepolt ist, wie jene mit diesen ressentiments, lässt sich durch einfache kurze gespräche umdrehen lässt.

    [...] Wenn man sich entscheidet diesen Schritt zu machen und sich für eine wirksame Verbesserung der europäischen und deutschen Flüchtlingspolitik einzusetzen, dann muss man zuerst mal seine eigenen Ansprüche mit der Wirklichkeit versöhnen und sich damit abfinden, dass Verbesserungen nur in kleinen Schritten und sehr, sehr langsam möglich sind. Als nächstes kann man dann mit den vereinten Kräften der jeweiligen Institution beharrlich dafür kämpfen, den nächsten Mini-Schritt Realität werden zu lassen. [...]


    auch das ist mir seit langem leider klar. egal um welche veränderung es geht. wenn nicht ein großteil der bevölkerung profitiert und die bild positiv drüber schreibt, kannst du nur minischritte machen. auch gewalt , welche ich ablehene, bringt nicht viel, wie man z.b. an der RAF sieht...haben auch nichts für sich geschafft. eher im gegenteil.

    aber zurück zur eigentlichen problematik mit den flüchtlingen. pro asyl ist auf jeden fall schonmal ein sehr guter ansatz um etwas bewegen zu können.
    trotzdem bleibe ich dabei dass auch die aufklärung der mitmenschen wichtig ist, egal wie lange es dauert und wie anstrengend es ist. ich weiß wovon ich rede, ich versuch das bei meiner oma seit ungefähr 12 jahren mit verschiedenen ähnlichen themen...

    es muss einfach eine gleichmäßige verteilung der kräfte geben um in breiter front angreifen zu können. gut blöde wortwahl jetzt aber egal. es muss doch darum gehen, auf allen erdenklichen wegen irgendwie zu zeigen wie die lage ist und versuchen dagegen etwas zu unternehmen. ich freu mich schon über jeden der mich anschaut und sagt: "so hab ich das ganze noch gar nicht bedacht". jeder der zum nachdenken gebracht wird, jeder der nicht ganz abgestumpft ist, wird vielleicht irgendwann mit jemandem anders auch über das gleiche thema reden und dank neuer informationstechnologien sich informieren und das thema klar zur kenntnis nehmen.
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6. Feb 2014, 18:44


  • Bastian hat geschrieben:Sorry, dass ich mich hier als Mod thematisch äußere, aber ich muss zugeben, dass mir das Thema ähnlich wichtig ist, wie offenbar dem W auch. Werde mich ab jetzt raushalten, versprochen.

    Ich muss sagen, dass ich eben, als ich auf der Hauptseite deinen Namen sah, eher damit gerechnet habe, dass der Thread nun wieder dicht ist! Insofern bin ich gerade (erstmals?) positiv überrascht von dir.
    Und warum solltest du dich hier heraushalten? Warum sollte man nicht auch als Mod eigene Ansichten posten dürfen?
    Natürlich sollten eigene Ansichten nicht mit der Moderation vermischt werden (und zum Beispiel Threads geschlossen werden, weil man die Frage für nicht wichtig erachtet oder einen ein Thema nicht interessiert), aber das Risiko ist hier doch nicht gegeben.

    Was wäre denn eine Verbesserung der Flüchtlingspolitik? Dass man alle aufnimmt, ihnen hilft nach Deutschland zu kommen und ihr Leben hier verbessert? Bisher schreckt vermutlich die gefährliche Überfahrt, der finanzielle Aspekt und das Risiko viele ab. Natürlich wäre es toll, wenn jeder in Sicherheit leben kann. Aber zugleich sehe ich es auch so, dass nicht jeder aus Ländern mit politisch schwieriger Situation nach Europa kommen kann. Ich bin absolut dagegen eine Mauer ins Wasser zu bauen oder Menschen abzuweisen. Ich laufe jeden Tag an "Coming Home- Rückkehrhilfen für Flüchtlinge" vorbei und vermute dass auch dies nur eine Unterstützung ist, wo zusätzlich zu der Unbringungssituation die "»die Bereitschaft zur Rückkehr in das Heimatland" gefördert werden soll.

    Doch was möchte "man" eigentlich? Dass Flüchtline sich integrieren? Dass sie Deutsch lernen? Wenn jemand erst einmal für sich einen Platz in einer anderen Gesellschaft gefunden hat, dann finde ich es nur logisch, dass man nicht einfach wieder gehen möchte. Ich würde es vermutlich auch nicht wollen.
    Außerdem denke ich mir immer, dass auch wenn die Asylbewerberzahlen stark gestiegen sind, es 2013 soviel waren wie noch nie, so reden wir über 127.023 Anträge! 10.915 wurden anerkannt, weitere 9000 habene in Abschiebestopp erreicht. Man redet also über 20000 Menschen pro Jahr, die man doch wohl eingliedern könnte.

    Die Situation der Menschen vor Ort zu verbessern finde ich aber auch sehr wichtig. Ansonsten wird das wirklich ausufern. Und bei allem linken Gedankengut, denke ich dass es schon eine Gefahr ist, wenn Asylbewerber anerkannt werden und in deren Heimat dann die Information ankommt, dass man in Deutschland nicht nur sicher sondern auch gut leben kann. Dabei sehe ich einfach das Risiko, dass mehr und mehr Menschen denken, man müsse nur Geld für die Überfahrt sparen und losfahren. Deshalb sollte es vielleicht Aufklärungskampagnen in den Ländern geben mit Alternativen. Wobei mir klar ist, dass man im Kriegsgebieten nicht einfach Flyer verteilen kann mit irgendwelchen ideen.

    Und sollten wir überhaupt politisch über andere Länder bestimmen wollen? Es wäre wohl niemand begeistert, wenn andere Länder nun Ideen für Deutschland entwickeln würden und erwarten, dass alle Deutschen das toll finden.
    Dennoch denke ich, dass natürlich Konsum auch eine Rolle spielt. Wenn wir billiges Zeugs konsumieren, gibt es irgendwo Menschen, die mit den Produktioonsbedingungen nicht zufrieden sind und sich überlegen woanders hin zu gehen. Und da vermischen sich dann Armutsflüchtlinge mit anderen. Wobei meiner Meinung nach auch fraglich ist, ob irgendein Staatsangesteller in fremden Ländern entscheiden sollte, wann die Gefahr groß genug ist.

    Für mich bleibt außerdem die Frage der direkten Hilfe. Selbst wenn die Politik die tollsten Unterkünfte baut, so braucht es Menschen, die sich darum kümmern. In meiner Kindheit war ich in einer Jugendgruppe, wir Kinder haben regelmäßig kleinere Aktionen mit den Kids aus dem Asylbewerberheim zusammen gemacht, also die durften dann auch mitspielen. An sowas dachte ich. ich glaub ich frag mal bei ner Freiwlligenagentur.
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6. Feb 2014, 18:58


  • Trisa hat geschrieben:[...] Für mich bleibt außerdem die Frage der direkten Hilfe. Selbst wenn die Politik die tollsten Unterkünfte baut, so braucht es Menschen, die sich darum kümmern. In meiner Kindheit war ich in einer Jugendgruppe, wir Kinder haben regelmäßig kleinere Aktionen mit den Kids aus dem Asylbewerberheim zusammen gemacht, also die durften dann auch mitspielen. An sowas dachte ich. ich glaub ich frag mal bei ner Freiwlligenagentur.


    das ist sehr richtig. vieles reden hat nie jemadem wirklich geholfen. ausser vielleicht in der psychotherapie. ich denke auch dass es wichtig ist die menschen zu sicher, zu stabilisieren, denn viele sind arg traumatisiert. aber es sollte doch auch genau darum gehen sie vielleicht dann wieder an anderer stelle zu integrieren, möglicherweise in ihrem heimatland -solange es keine bedrohung für leib und leben darstellt. sofortige abschiebungen zurück in krisengebiete sind absolut nicht der richtige weg.

    wichtig ist es auch aufzuhören mit der unterteilung in gute und nicht gute, oder lohnende und nicht lohnende ausländer / flüchtlinge zu unterscheiden. gelernte fachkräfte ja alle anderen nein ist auch falsch. zumal es ziehmlich kompliziert ist einen ausländischen abschluss hier anerkannt zu bekommen, weiß ich aus meinem freundeskreis. aber das ist eine andere geschichte.

    vielleicht liegt aber auch eine gewisse verantwortung bei den flüchtlingen selbst, denn alles was einem nicht bekannt ist macht einem angst. diese xenophobie ist ein großes problem in diesem land. ich verlange nicht dass sie an jeder haustür klingeln, sich vorstellen und einen kuchen mitbringen. aber diejenigen die soweit fit sind sollten, glaube ich, mit denjenigen leuten zusammenarbeiten die ihnen helfen wollen um das bild, welches die bevölkerung von ihnen hat, etwas zu begradigen.
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6. Feb 2014, 21:01


  • Ja aber wie soll man sich integrieren, wenn man in einem lager hinter Stacheldraht und Mauern lebt und nicht weiß wie lange?

    Bei Pro Asyl heißt es, dass der Einzelfall zählt. Was mir ein bisschen fehlt ist die Unterstützung jener Einzelfälle.
    Weiß nicht wer von euch dieses 7 tage Dingen gesehen hat. Es war glaube ich dort, wo man u.a. sieht, dass Anwohner ihren Müll bei den Tonnen des Asylbewerberheimes abladen. Das Nachts höchstens ein Sicherheitsdienst da ist, der aufpasst, dass niemand das Gelände betritt. Dass es sogar dauert einen Hausmeister zu erreichen, wenn irgendwas defekt ist.

    Habe mal etwas von einer Schule für Asylbewerber gesehen, wo sie lernen können und vor allem Abwechslung haben und üpberhaupt etwas zu tun.
    Ich denke, dass man sich um die Situation des Einzelnen zu verbessern, dafür einsetzen sollte, dass es vernünftige medizinische Angebote gibt. Deutschkurse bzw. Workshops wo man Deutschland und die deutsche Kultur kennen lernen kann. Angebote für Flüchtlingskinder, wo sie auch einfach mal Kind sein können und vielleicht auch Nicht-Flüchtlingskinder kennen lernen können. Beratungen in den jeweiligen Muttersprachen.

    Doch wenn es darum geht z.B. Kinder mit Flüchtlingen zusammen zu bringen, schaut es ganz schnell so aus. Das war schon vor 20 Jahren so, als das Grüppchen wo ich selbst war, die Flüchtlingskinder zu bekam. In dem Artikel finde ich cool, dass sich die Schule einfach entschied, quasi "heimlich" mit den Kindern dorthin zu gehen.
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6. Feb 2014, 21:27


  • Trisa hat geschrieben:[...] Weiß nicht wer von euch dieses 7 tage Dingen gesehen hat. Es war glaube ich dort, wo man u.a. sieht, dass Anwohner ihren Müll bei den Tonnen des Asylbewerberheimes abladen. Das Nachts höchstens ein Sicherheitsdienst da ist, der aufpasst, dass niemand das Gelände betritt. Dass es sogar dauert einen Hausmeister zu erreichen, wenn irgendwas defekt ist.

    [...]

    Ich denke, dass man sich um die Situation des Einzelnen zu verbessern, dafür einsetzen sollte, dass es vernünftige medizinische Angebote gibt. Deutschkurse bzw. Workshops wo man Deutschland und die deutsche Kultur kennen lernen kann. Angebote für Flüchtlingskinder, wo sie auch einfach mal Kind sein können und vielleicht auch Nicht-Flüchtlingskinder kennen lernen können. Beratungen in den jeweiligen Muttersprachen.

    [...]

    In dem Artikel finde ich cool, dass sich die Schule einfach entschied, quasi "heimlich" mit den Kindern dorthin zu gehen.


    also das sieben tage ding habe ich leider nicht gesehen. aber es ist ja allgemein bekannt, zumindest unter halbwegs interresierten menschen, wie die lebensumstände besagter flüchtlinge sind und auch dass diese von der sie umgebenden bevölkerung nicht unbedingt geachtet werden. mit dem hausmeister und dem sicherheitsposten ist es doch so, dass das alles geld kostet und das möchte keiner ausgeben, schon gar nicht für flüchtlinge, aus denen man wahrscheinlich in nächster zeit keinen profit herausziehen kann.

    das mit den medizinischen angeboten und einfach der chance auf beschäftigung sehe ich genauso. das leben ist immer leichter wenn man etwas zu tun hat und wenn es nur eine art festen tagesrythmus gibt. und natürlich ist auch die beschäftigung mit den menschen selbst von enormer wichtigkeit. wenn ich in so einem lager wäre und sähe, dass sich jemand mit mir beschäftigt, interesse an mir zeigt, mir möglicherweise beratend zur seite steht, meine sprache spricht e.t.c. dann habe ich doch wesentlich mehr mut aufs leben, als wenn ich grade von meinem boot runter bin, froh dass ich überlebt habe nur um dann direkt wieder mit mir selbst im lager zu enden.

    das ist allerdings eine ziehmlich harte geschichte da in dem artikel aus leipzig. doch auch sehr gut von der schule es einfach trotzdem zu machen. wie sollen denn die kinder sonst dafür sensibilisiert werden dass eben nicht alles schön ist. überspitzt könnte man sagen es wachsen dann menschen heran, die, wie nach der zeit des dritten reiches, behaupten sie hätte von all dem nichts gewusst. und das halte ich für sehr gefährlich, denn ich bezweifle dass in der zukunft die flüchtlinge, woher auch immer, weniger werden.
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7. Feb 2014, 03:33


  • Zottel hat geschrieben:das mit den medizinischen angeboten und einfach der chance auf beschäftigung sehe ich genauso. das leben ist immer leichter wenn man etwas zu tun hat und wenn es nur eine art festen tagesrythmus gibt. und natürlich ist auch die beschäftigung mit den menschen selbst von enormer wichtigkeit.

    Ja und da frage ich mich, warum diesbezüglich nicht mehr gemacht wird. Klar gibt es auch untereinander Reibereien und Meinungsverschiedenheiten und alle sind genervt, ängstlich, traumatisiert, etc. Doch wenn man überlegt, dass in anderen Heimen so etwas auch angeboten wird und ja scheinbar ganz gut zu funktionieren scheint, dann denke ich doch, dass hier ein Ansatzpunkt liegen sollte.
    Also gemeinsame Nahrungszubereitung, Ausflüge (muss ja nix kostenintensives sein und natürlich brav nach Gesetz nur im eigenen Landkreis), etc.

    Mh hier in der UMF (unbegleitete minderjährige Flüchtline) Unterkunft werden scheinbar auch Freiwillige eingesetzt. Es steht extra dabei, dass es sich nicht um Patenschaften handelt. Kapiere noch nicht recht, was die damit sagen wollen?
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14. Feb 2014, 16:31

14. Feb 2014, 20:15


  • das ist eine krasse geschichte, die aber leider keine seltenheit ist und auch erst recht nicht bleiben wird. vielleicht sollte sich, wie schon einmal erwähnt, die sogenannte erste welt einmal die frage stellen weshalb es diese flüchtlinge gibt. ich mein, diese menschen kamen aus afghanistan, dem land wo durch den bekannten nato einsatz "alles besser" wurde. es sind ja auch nicht bloß die flüchtlinge die nach europa kommen, sondern genauso auch z.b. diejenigen die von mexico in die usa wollen. warum gibt es diese flüchtlinge, nur wegen krieg und ausbeutung ihrer länder? warum wollen die usa und europa die flüchtlinge nicht? wollen sie nur nicht sehen was sie angerichtet haben, nach dem motto aus den augen aus dem sinn? oder geht es um diese elendige parole der 'armutszuwanderer'? zweiters kann ja wohl nicht ganz hinkommen, denn als flüchtling hat wenig chance irgendwelche sozialsysteme auszunutzen. wieso also solche push-back aktionen? wem helfen sie?

    man sollte vielleicht einmal die frage gestatten, wer ein interesse hat das keine flüchtlinge mehr hier aufschlagen, denn allein der unterhalt kann es nicht sein den diese menschen kosten, wie man an den unterbringungen unschwer erkennen kann. europa hat riesige angst vor den flüchtlingen, das zeigt schon die frontex aktion. soll diese abschreckend wirken? wenn ja dann hat sie wohl absolut ihren sinn verfehlt, denn es werden immer mehr menschen die versuchen auf irgendwelchen wegen europa zu erreichen.

    ich habe leider noch keine passende antwort auf fragen dieser art gefunden, vielleicht kann mir jemand helfen.
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15. Feb 2014, 11:39


  • ich bin damals durch "auf der flucht - das experiment" auch zum grübeln angeregt worden. von daher hat dieses format einen gewissen teil seines "auftrages" für mich persönlich auch erfüllt. ich habe die berichte, die es über die thematik auch vorher schon in den medien gab, irgendwie immer nur am rande wahr genommen, leider.

    aber so ist es nun einmal, wenn man in einer scheinbar sicheren umgebung lebt und es einem im gegensatz zum rest der welt relativ gut geht. man stumpft irgendwie automatisch ab und merkt es gar nicht.

    während dieser sendung hab ich auch angefangen zu recherchieren und war echt geschockt, wie man sich von den unterschiedlichen seiten aus der problematik und den daraus resultierenden schicksalen annimmt. unsere medien und die politiker haben sich da echt - wie so oft - ein armutszeugnis ausgestellt und zu einem nicht geringen teil die hetze gegen die flüchtenden menschen noch angestachelt.

    eure beobachtungen über die meinung der älteren generationen kann ich auch leider nur bestätigen. sie reihen sich da nahtlos bei den "jungen wilden", die angst vor einer perspektivlosen zukunft haben ein. man lässt sich da wirklich zu leicht auf dieses gemeinsame feindbild einschwören.

    wo es genau anzusetzen gilt? gute frage.

    ich glaube bastian hat es ganz gut formuliert.

    wer die drei affen nicht schon allzusehr verinnerlicht hat, wird früher oder später von ganz allein auf diese themen aufmerksam und seine schlüsse daraus ziehen und im besten fall auch noch eine möglichkeit finden, bei diesem problem mit anzupacken. jeder auf seine weise.

    btw.. mein sohn (11jahre) kam vor ein paar tagen mit seinem schulatlas um die ecke und fragte mich, wer eigentlich für die ganzen grenzen auf der landkarte zuständig ist... ich hab ihn erstmal fett umarmt und mir meine tränchen verdrückt und am ende kam ein wirklich tolles gespräch dabei raus.

    in meinen träumen sind diese probleme ganz einfach aus der welt zu schaffen. sollte ich mich für meine naivität in dieser beziehung wirklich schämen müssen?

    ich poste auch hier noch einmal ein kleines zitat aus einem buch von walter und lao russell, finde es ganz passend...

    ________________________________

    "die größte lektion des menschen besteht darin, zu lernen, wie man GIBT. wir sind immer noch im barbarischen zeitalter des nehmens - und nehmen selbst das leben. das geistige zeitalter dämmert jedoch bereits herauf. seine tore sind schon ein wenig geöffnet, aber das ist alles, denn unser welthaus ist auf dem sand der uneinigkeit errichtet. das ergebnis von uneinigkeit ist angst. ein haus, das durch uneinigkeit und angst gespalten ist, muss zusammenbrechen. frieden, glück und wohlergehen können ein gespaltenes haus der angst nicht betreten.

    wenn sie jetzt fragen, wann frieden, glück und wohlergehen zur menschheit kommen werden, sagen wir ihnen, dass all dies kommen wird, wenn das all-licht der liebe alle menschen zu EINEM vereint, und das wird erst geschehen, wenn der mensch aufhört, angst zu erzeugen."

    ______________________________________
    ~REGENBOGEN~

    "Der Friede stellt sich niemals überraschend ein. Er fällt nicht vom Himmel wie der Regen.
    Er kommt zu denen, die ihn vorbereiten.
    "
    Kascha
     
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15. Feb 2014, 23:51


  • Oh ja Träume sind schön einfach. Doch der Mensch ist egoistisch.
    Man hat also Angst, dass andere einem etwas wegnehmen. Also beschützt man sich und sein Umfeld möglichst vor Eindringlingen. Ich möchte auch nicht, dass jeder einfach so in mein Zimmer latscht. Obwohl ich weiß, dass Millionen Menschen kein festes Dach überm Kopf haben, möchte ich meines nicht mit ihnen teilen. Da fängt mein Egoismus schon an.

    In München bestand ja die Forderung der Flüchtlinge ihre Asylanträge sofort zu bewilligen. Doch was wäre dann? Würden nicht zehntausende andere denken, "he wenn die das so schaffen, machen wir das ebenso". "Wenn man denen hilft, muss man uns auch helfen". Und ich sehe durchaus ein, dass wir nicht jedem helfen können. Natürlich sind die Unterkünfte bescheiden, doch was sollte man tun? Jedem ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen? Ich fände es verständlich, dass dann Neid aufkäme. Bessere Bedingungen birgen die Gefahr von mehr Asylbewerbern. Kontrollen sind schwierig. Auch im Beitrag wurde ja gezeigt, dass viele Angst vor deutschen Systemen haben. Doch hier gibt es nun einmal Pässe, Fingerabdrücke, Behörden, Gesetze, etc.

    Gesetze kann man ändern. Doch in welche Richtung? Eine kostenlose Fährverbindung zwischen Afrika und Europa einrichten? Wer soll das bezahlen? Irgendwie kann ich die Angst verstehen, die Angst vor Überbevölkerung, fremden Kulturen im eigenen Land, Kriminalität,Arbeitslosigkeit, Krankheiten, etc.
    Und bei aller Toleranz hört diese doch oft auf, wenn es um Traditionen aus anderen Kulturen geht. Ich erinnere mich noch an eine moslemische Bekannte von früher. Sie lebte völlig "deutsch", konnte die Sprache, hatte sich sogar scheiden lassen und dann plante sie die Beschneidungsparty von ihrem Sohn. Ich fand das nicht gut, der Junge soll doch selbst entscheiden können später. In den folgenden Diskussionen argumentiere sie dann damit, dass sie mir doch auch nicht erzählt, wie ich Weihnachten feiern soll. Mit einem "das ist doch was anderes" kam ich nicht weit. Schließlich gibt es gibt es vorgeschriebene Impfungen, Lehrmaterialien, Regeln, Gesetze, Bräuche, etc. die Kinder betreffen auch bei uns und dabei gibt es ebenfalls große kulturelle/religiöse Unterschiede. Was also tun? Sämtliche Traditionen, Kulturen, Religionen und Staatsführungen abschaffen? Dann ist man irgendwo in der Anarchie- was ich mir realistisch auch nicht vorstellen kann.

    Ich kann durchaus viele Kritik und Ängste nachvollziehen. Doch meist stört mich die Art und Weise wie etwas gesagt wird und der Hass der daraus entsteht. Die Menschen die an Orten leben wo Flüchtlingsboote ankommen, haben in aller Regel ja keinerlei Problem damit, die Menschen aus dem Meer zu retten und ihnen Zutritt zu gewähren. Doch verständlicherweise ist man dann später auch der Meinung, dass nicht jeder dort am Strand bleiben kann und man "eigene" Probleme hat und sich die Politik doch bitte kümmern soll.
    Trisa
     
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