Stephan in "Auf der Flucht"

... Irgendwer hat irgendwo, irgendwas über uns geschrieben und ihr habt es gelesen? Gut, hier rein.



  • Ich hab nur die erste Folge gesehen und dann war für mich Schluß. Aber trotzdem muß ich sagen: wenn auch nur einem Zuschauer durch diese Serie die Flüchtlingsproblematik näher gebracht wurde, dann hat es sich gelohnt.

    Ein Teil der Fernsehzuschauer ist nunmal durch scripted reality so abgestumpft, daß man ihn eben nur noch mit diesen Mitteln erreichen kann. Jeder der noch ein paar Gehirnzellen beisammen hat, guckt sich natürlich lieber eine vernünftige Doku an oder liest einen informativen Zeitungsbericht. Aber für diese Leute wurde diese Sendereihe halt auch nicht gemacht.
    Onkelz 2.0: "Friends" statt Fanz
    Krueger
     
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  • Krueger hat geschrieben:Ich hab nur die erste Folge gesehen und dann war für mich Schluß. Aber trotzdem muß ich sagen: wenn auch nur einem Zuschauer durch diese Serie die Flüchtlingsproblematik näher gebracht wurde, dann hat es sich gelohnt.

    Ein Teil der Fernsehzuschauer ist nunmal durch scripted reality so abgestumpft, daß man ihn eben nur noch mit diesen Mitteln erreichen kann. Jeder der noch ein paar Gehirnzellen beisammen hat, guckt sich natürlich lieber eine vernünftige Doku an oder liest einen informativen Zeitungsbericht. Aber für diese Leute wurde diese Sendereihe halt auch nicht gemacht.


    Auch das sehe ich genauso. Ein paar Leute wird es bestimmt mal zum nachdenken angeregt haben. Auch den Teilnehmern selber hat es sicherlich viel gebracht. Stephan sagt ja selber, dass er diese Erfahrungen nicht missen möchte. Aber wie man das ganze aufbereitet hat und was als Ergebnis im TV zu sehen war, war wirklich grottig (und für sowas gibts den deutschen Fernsehpreis) und man hatte an jeder Ecke das Gefühl, dass soviel an gutem Material und soviel Pontenzial einfach ungenutzt geblieben ist. Vielleicht nochmal einen Directors Cut, wo dann die wirklich wichtigen Szenen gezeigt werden? Wird wohl nie kommen...

    Hier auch nochmal der Vollständigkeit halber Stephans Kommentar nach Ausstrahlung der Sendung:

    Glotzt mich nicht so an, ich weiß, ich habe mich ködern lassen. Alter Hase, aber neue Tricks.
    Das ZDF hat sich wirklich Mühe gegeben und echtes Interesse an meiner Person gezeigt. Man hat mich mit Videos, Emails und in vielen Telefonaten neugierig gemacht und es so fast geschafft, mich von der Glaubwürdigkeit, der Seriösität und den Möglichkeiten des Formats zu überzeugen. Zweifel und Misstrauen allem gegenüber, was mit Fernsehen zu tun hat, aber blieben. Also sagte ich meiner Intuition folgend erst einmal ab. Ich wollte keine Onkelz-Schlagzeilen zu diesem Thema lesen, ich suchte nicht nach Publicity und nicht nach Anerkennung, und eines wollte ich schon gar nicht: mit all den Charity.Narzissten, die nur sich selber feiern, in einem Atemzug genannt werden.

    Das Thema lies mich aber nicht mehr los. Es bot sich doch die einmalige Chance, eine Maßnahme gegen Intoleranz und Diskriminierung zu ergreifen, eine Gelegenheit für Humanismus, Migration und Asyl zu werben. Ich hätte die Möglichkeit, die Welt aus der Sicht von Flüchtlingen und Asylsuchenden zu sehen und meinem bequemen Leben, weit weg von den humanitären Dramen dieser Welt, eine tiefgreifende Erfahrung hinzuzufügen. Ich glaubte, das Erlebte in die Wohnzimmer tragen zu können, und so für mehr Verständnis, Respekt und Mitgefühl zu werben. Ich wollte genau hinsehen und soviel Informationen, wie möglich einholen und teilen.

    Das Risiko des Scheiterns besteht immer ,aber das Unterfangen schien es mir wert. Gewissheit gibt es nicht, nur Gelegenheit. Das letzte bisschen Naivität, das meine zahlreichen negativen medialen Erfahrungen in der Vergangenheit übrig ließen, gepaart mit dem Fünkchen Hoffnung, dass nicht alle Medien Scheiße produzieren, gab ich mich der Vorstellung hin, Teil einer guten Sache sein zu können, schmiss meine Bedenken über Board und sagte schließlich zu. Das Ergebnis ist euch bekannt und im höchsten Maße zweifelhaft.


    Trotzdem: Ich bereue die Reise nach wie vor nicht. Dazu nehme ich persönlich zu viel mit. Ich trauere aber über eine vertane Chance. Es gab so viel interessantes Material, wichtige Dialoge, Begegnungen, Schicksale und schwer Verdauliches zu einem mir wichtigen Thema.
    Ich frage mich heute, wie man so einen Dreck zusammenschneiden kann? Der erste Drehtag hat zwar bereits Schlimmes befürchten lassen, das Hosting, das Gepose, das alberne Handy und Pass wegnehmen, RTL ließ grüßen. Es folgten weitere Peinlichkeiten, die eher Laienschauspieler bedurft hätten und deshalb gleich zu Beginn von mir kategorisch abgelehnt wurden. So tun, als ob ist nicht meins, deshalb weigerte ich mich auch, vor der Kamera zu heucheln, ich sei ich ein Flüchtling. Das schien mir unmoralisch und fehl am Platze. Mir war von Beginn an klar, dass wir nur durchs Fenster schauen würden, egal, was sich die Produktionsfirma für uns ausdenken würde. Leise Zweifel am Format kamen in mir auf, aber ich hoffte auf Besserung im weiteren Verlauf der Reise. Rückblickend hätte ich mir eine noch intensivere Reise und mehr Risikobereitschaft gewünscht, enttäuscht wurde ich aber auch nicht. Für mich persönlich ziehe ich positiv Bilanz, egal, was das ZDF aus unserer Reise gemacht hat, egal, wie man uns dargestellt und auch benutzt hat.

    Ich frage mich aber schon, warum ich mich nur Dünnes labern höre oder fast gar nicht zu Wort komme. Kein einziger relevanter Kommentar, wenig Bilder von den wirklich wichtigen Begegnungen. Meine ausführlichen, manchmal aber auch Format und TV-kritischen Äußerungen wurden allesamt entfernt, darunter auch die Begründung, warum ich in Istanbul keinen Müll sammeln wollte. Fernsehen hat keinen Respekt und kein Fingerspitzengefühl und ich bin kein Elendstourist. War ich zu sachlich? Habe ich zu wenig Emotionen geheuchelt, zu wenig meine Mitreisenden gedisst? Die einzigen beiden Situationen, in denen ich mich vor der Kamera hinreißen lies, Katrin zu kritisieren wurden prominent aufgearbeitet…. Dabei war das eigentlich vollkommen unwichtig! Die Gespräche mit der grünen EU-Abgeordneten in Athen, der Kinderknast, die Gespräche mit hungernden, papierfressenden Flüchtlingen in einem EU-Abschiebelager wurden nicht verwendet. Warum nicht? War das dem ZDF zu „heiß“, bekam man Angst vor der eigenen Courage? Oder waren Tränen, Betroffenheit und zwischenmenschliche Spannungen a la Dschungelcamp von vornerein gewünscht und interessanter?
    Warum mussten wir eigentlich in jeder Folge ein 5-minütiges „Drecks-intro“ und eine ebenso lange Vorschau auf die nächste Folge über uns ergehen lassen? Warum wurden Dialoge und Gespräche durch dämliche Sprecherkommentare ersetzt? Wo blieb der Anspruch und wo die Seriosität, die mir versprochen wurden? Was war das für ein Casting? Wo waren die Asylgegner, Ausländerhasser oder Politiker, an deren Thesen, Parolen und tradierten Weltbilder wir uns hätten reiben können? Der Zuschauer hätte selbst entscheiden können, welchen Argumenten er folgen möchte und sich eine eigene Meinung bilden können. Stattdessen servierte man uns Betroffenheitsfernsehen a la RTL und Co. mit dem erschreckenden Ergebnis, dass die Menschen vor der Glotze nicht über Flüchtlinge, Asylsuchende, Drittstaatenreglung oder die fast völlige Abwesenheit echter Flüchtlingspolitik sprechen, sondern über Fernsehgelder und das Format diskutieren. Das kann nicht im Interesse eines öffentlich-rechtlichen Senders sein.

    Und genau das macht mich wütend. Es ging auf dieser Reise nicht um mich, Katrin, Songül oder Kevin. Ich kann mit Kritik an meiner Person leben, es ist mir vollkommen gleich, was wer über meine Teilnahme an „Auf der Flucht“ sagt oder denkt. Wir waren nur Mittel zum Zweck. Unsere Verpflichtung wäre es gewesen, aufzuzeigen, dass „wir“, dass Deutschland und die Länder in der geographischen Mitte Europas sich gerne ihrer demokratischen Verfassungen und der Respektierung der Menschenrechte brüsten, sich in Wahrheit aber hinter einem moralisch bedenklichen und perfiden Gebilde Namens Drittstaatenreglung verstecken. So lässt sich das ganze Flüchlingselend ganz bequem aus der Ferne betrachten oder auch komplett ignorieren. Beschämend!

    Die Intention war eine Gute. Die Idee, eine solche Reise und Doku zu machen war spannend, das Ergebnis ist leider eine Katastrophe. Die Asyl- und Flüchtlingsproblematik wurden in einem Unterhaltungsformat verwässert und gerieten fast zur Nebensache. Warum es dafür den deutschen Fernsehpreis gab, muss ich nicht verstehen.

    Bei aller berechtigten Kritik und meiner Wut darüber, ein wichtiges Thema an die Wand gefahren zu haben, hat dieser Trip ein versöhnliches Ende. Für mich fängt diese Reise gerade erst an. Der Kreis schließt sich erst dann, wenn ich dieser Erfahrung Taten folgen lasse. Menschen auf der Flucht, brauchen unsere Hilfe und unseren Schutz, dafür werde ich mich zukünftig verstärkt einsetzen.

    Euer Stephan
    Schallwellenreiter78
     
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  • Hab's auch gesehen. Leider.
    Zum Mordlust kriegen. Da werden 6 aufklärerische junge Menschen (für ZDF-Maßstab), die eine durchaus wertvolle Idee eint (Recherche über das Drecksgesindel einer der größten Schattensysteme) von uns allen im Stich gelassen, indem wir mit unserem Geld Ihnen keine bessere Plattform geben konnten, als das ZDF. Eine bittere Enttäuschung für alle Involvierten. Verschwendetes Potential.

    Entgegen anders lautender Meinungen bin ich übrigens nicht der Ansicht, daß Stephan DURCHGEHEND eine gute Figur abgegeben hat, was Ihm aber durchaus verziehen sei. Wie sollte er auch? Bei so 'nem Fuck-Format... (-erinnerte mich stellenweise an Auswanderer-TV!)

    Deutschland - Deine Menschenhandels-Inspekteure

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    Was bleibt ist der fade Beigeschmack & ein ernstes Thema, das im Raum steht, weil es nicht angemessen behandelt wurde!
    firma.tioz
     
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  • firma.tioz hat geschrieben:
    Entgegen anders lautender Meinungen bin ich übrigens nicht der Ansicht, daß Stephan DURCHGEHEND eine gute Figur abgegeben hat!


    Weidner haben sie ja nun wirklich am wenigsten von allen Personen gezeigt und reden lassen.

    Hab da keine schlechte Szene von ihm in erinnerung?
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  • Auch wenn er den Großteil der Sendung sehr souverän auftritt, so hab ich doch desöfteren den Eindruck, als suche er zu verbergen, daß er FÜHLT, daß ihm dieser Schuh nicht paßt.

    Schade finde ich auch, daß er bei der Pfandflaschen-Sammelaktion zurückgesteckt hat (-ich hätte mich nicht anders entschieden! Daß das Ärger geben würde, war voraussehbar ... insofern: clever)
    ABER: Er hat damit dem ZDF in die Hände gespielt, indem er ihnen eine Steilvorlage bot, Ihn potentiell als jemand hinzustellen, der sich die Hände nicht schmutzig macht.

    Naja, jetz isses im Kasten. Die Hauptsache: Diese Thematik erreichte eine Handvoll uni(n)formierte!

    Warum?

    Damit man irgendwann den Jungs das Wasser abgräbt, die "Eiswasser pissen" ...
    firma.tioz
     
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  • Ich denke, dass Stephan viel mehr zu sagen gehabt hätte...wenn man ihn gelassen hätte.
    Insofern ist es schon richtig, dass er nicht durchgehend ne gute Figur abgegeben hat. Das weiß er auch selber, denke ich :)
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    Micky
     
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  • firma.tioz hat geschrieben:Schade finde ich auch, daß er bei der Pfandflaschen-Sammelaktion zurückgesteckt hat (-ich hätte mich nicht anders entschieden! Daß das Ärger geben würde, war voraussehbar ... insofern: clever)
    ABER: Er hat damit dem ZDF in die Hände gespielt, indem er ihnen eine Steilvorlage bot, Ihn potentiell als jemand hinzustellen, der sich die Hände nicht schmutzig macht.


    Da kann man Stephan selbst aber nicht vorwerfen, dass er da eine schlechte Figur gemacht hat. Eher hat er wieder als Einziger eine gute Figur gemacht, weil er bei dieser provokanten Aktion nicht mitgemacht hat. Und dass das ZDF ihn hier schlecht darstellen wollte, sieht man ja daran, dass er in seinem Statement zur Sendung (habe ich ein paar Beiträge vorher gepostet) sagt, dass er vor den Kameras ganz ausführlich begründet hat, was ihn an dieser Aktion gestört hat und davon aber kein Wort gesendet wurde...
    Schallwellenreiter78
     
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  • Sehe es auch so, daß Stefan innerhalb der Gruppe noch den besten Eindruck gemacht hat (-wobei auch der Bundeswehrsoldat und eins der Mädelz streckenweise nicht unsympatisch rüberkamen).

    Sorry, kannte Deinen post (-sowie Stephans Aussage) bis zum Zeitpunkt meiner Antwort noch nicht. (erstmal danke dafür)
    Hab' die dumme Angewohnheit, bei 'nem Thread-Ersteinstieg meistens nur auf den Ursprungsgedanken/den Autor zu reagieren...
    Das 'Reinlesen' kommt dann erst so nach und nach.

    Unter DIESEM Licht betrachtet:

    ICH WILL 'AUF DER FLUCHT - Reloaded' ! (-vielleicht unter den 'Schwingen' von 3R ?? ;)
    firma.tioz
     
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  • Wir haben drüben im Forum ja auch schon ausführlich über das Thema gesprochen.

    Zu der "Müll" Aktion (Kann man direkt wörtlich nehmen - in zwei Richtungen gedacht...) kann ich nur noch einmal sagen,
    das ich froh darüber war das Stephan den Unsinn nicht mitgemacht hat.

    Ziemlich bescheuerte Idee der Macher, bei der völlig klar war wie das bei den Menschen dort rüber kommt, und zwar zu Recht!

    Allgemein fand ich Stephans Auftritt in dem Format absolut in Ordnung.

    Ihm kann man bei der Sache, bei der sicherlich einiges schief gelaufen ist für meinen Geschmack absolut keinen Vorwurf machen!
    Moondog
     
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